Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann

Prellbock der Nation

Deutsche-Bank-Chef Ackermann kann machen, was er will: Es ist falsch. Und wenn er's falsch macht, ist es auch nicht richtig.

Macht es irgendwie immer falsch: Josef Ackermann. Bild: dpa

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hat es abgelehnt, aus der Staatshilfe für notleidende Banken etwas für sein Institut abzuzweigen. Die Politiker sind darob empört. Ackermann spielt in der Öffentlichkeit die selbe Rolle wie weiland der Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer. Das entspricht der gewandelten Funktion des Finanzkapitals, das sich von der Produktion abgekoppelt hat, indem "Investitionen" in fiktive Werte (wie Derivate, Hedge-, Equity-Fonds und Junk-Bond) profitabler geworden sind als solche in die Herstellung von Waren oder die Bereitstellung von Dienstleistungen.

Der Schweizer Artillerieoffizier Ackermann war bei der Deutschen Bank ab 1998 u.a. für das Investment Banking im Vorstand verantwortlich. Diese Sparte bescherte der Bank die größten Gewinne. 2000 wurde er ihr Sprecher, 2002 Vorstandsvorsitzender. Die Kapitalmedien erklärten ihn zum "Star der neuen Ära", die bei der DB mit einem "Umbau" und einen ungeheuren Gewinnanstieg einherging.

2004 mußte Ackermann jedoch vor Gericht: Ihm und einigen anderen Managern wurde vorgeworfen, sich beim Verkauf der Mannesmann AG an Vodafone mit allzu üppigen Prämienzahlungen bedacht zu haben: 58 Millionen Euro insgesamt.

Vor Prozeßbeginn tönte Ackermann: "Dies ist das einzige Land, in dem diejenigen, die Erfolg haben und Werte schaffen, deswegen vor Gericht gestellt werden." Dazu hob er - siegesgewiß - die Hand zum Victory-Zeichen. Diese Geste und dazu sein lachendes Pferdegebiß wird noch heute gerne von der Presse benutzt, wenn es wieder mal gilt, dem kleinen Mann auf der Straße "die hässliche Fratze des Kapitalismus" vorzuführen. 2006 wurde das Gerichtsverfahren eingestellt, Ackermann mußte bloß wegen Verstoß gegen das Aktienrecht eine Buße von 3,2 Mio Euro zahlen. Er verdiente brutto rund 20 Mio Euro im Jahr. Die Bild-Zeitung fragte ihn: "Wie erklären Sie einer Verkäuferin mit 1.500 Euro im Monat, dass Ihre Leistung 500 Mal soviel wert ist?" Seine Antwort war ebenso "weitschweifig wie widersprüchlich", schrieb anderntags die FAZ: "Hier arbeitet einer höchst effektiv an seinem Buhmann-Image."

Empörung erntete Ackermann auch, als er ein neues Rekordergebnis der DB und gleichzeitig den Abbau von 6.000 Arbeitsplätzen ankündigte. Bundeskanzler Gerhard Schröder warf ihm daraufhin mangelndes Verantwortungsgefühl für die Beschäftigten vor. Um etwas gegen seine Unbeliebtheit zu tun, trat Ackermann in Talkshows auf. Pluspunkte sammelte er auch mit einer frühen Stellungnahme zur "Subprime-Krise", in der er Fehler seiner Bank einräumte. 2008 verkündete er die erneut äußerst positiv ausgefallenen Bilanzzahlen.

Als die Finanz-Krise weiter um sich griff, forderte er "eine konzertierte Aktion von Regierungen, Notenbanken und Marktteilnehmern". Dafür kritisierte ihn diesmal die CDU: Aus den gleichen Etagen, aus denen sonst weniger Staat gefordert werde, klinge jetzt der Ruf nach mehr Staat, schimpfte der Wirtschaftsminister. Dennoch verabschiedete die Regierung wenig später ein "Banken-Rettungspaket" in Höhe von 500 Milliarden Euro, verbunden mit der Auflage, die Gehälter von (Bank-)Managern auf 500.000 Euro zu begrenzen.

Ackermann soll daraufhin auf einer Tagung gesagt haben, er würde sich schämen, wenn seine Bank in der Krise Geld vom Staat annehmen würde. Wieder war die Politik sauer auf ihn: Staatliche Hilfe sei nichts Ehrenrühriges, wer sie annehme, beweise Mut, meinte der Regierungssprecher. Die FAZ versuchte zu vermitteln: "Wenn er öffentlich das Gemeinwohl zu vertreten versucht, schlüpft er in eine Rolle, die nicht die seine ist und die ihm fremd geblieben ist... Solange es den Banken gut geht, soll die Politik möglichst weiten Abstand halten. Wenn es den Banken schlecht geht, soll die Politik helfen."

Und der Deutschen Bank geht es gut, damit auch Ackermann. Deswegen teilte er der Presse auch noch mit, "dass ich in diesem schwierigen Jahr auf meinen Bonus verzichte - zugunsten verdienter Mitarbeiter, die das Geld nötiger haben als ich." Auch dafür wurde er gescholten: Die Grünen-Fraktionschefin Renate Künast fand es unverschämt, dass Ackermann überhaupt glaube, ihm stünden angesichts der Finanzkrise noch Bonuszahlungen zu. "Mach' Dich vom Acker, Mann!" darauf scheint des Volkes Wille hinauszulaufen.

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