Kaum Tote

Kuba widersteht Hurrikan "Ike"

Viele Schäden, aber anders als in Haiti dank Vorbereitung kaum Tote - das ist bisher die Bilanz der Hurrikans auf Kuba.

70 Todesopfer soll "Ike" in Haiti gefordert haben. Bild: reuters

PORTO ALEGRE taz Gerade neun Tage nachdem Hurrikan "Gustav" den Westen Kubas verwüstet hat, steht die Karibikinsel erneut auf dem Prüfstand. Am Montag bewegte sich "Ike" an der kubanischen Nordküste von Ost nach West. Stunden nach dem Aufprall, bei dem die Windgeschwindigkeit fast 200 Stundenkilometer betragen hatte, verlor der Sturm an Stärke und wurde auf Kategorie zwei der fünfstufigen Skala zurückgestuft.

"Die ganze Nation befindet sich im Kampfalarm", hieß es in einer im Fernsehen verlesenen Erklärung von Fidel Castro. "So hart es uns auch treffen mag, unser Land ist im Stande, das Leben von Kubanern zu retten", hieß es darin. Die Einwohner von Havanna machten ihre Häuser mit Holzplatten sturmfest und legten Essensvorräte an. Die Behörden riefen für die östlichen Provinzen Guantánamo, Santiago de Cuba, Granma, Holguín, Las Tunas und Camagüey die höchste Alarmstufe aus. Voraussichtlich zieht der Wirbelsturm am Dienstag in der Hauptstadtregion wieder auf das offene Meer.

Größter Ehrgeiz der KubanerInnen ist es, wie schon bei "Gustav" Todesopfer zu vermeiden. Auch jetzt wurden wieder Hunderttausende rechtzeitig evakuiert. Gesundheitsbrigaden waren in abgelegene Gebiete gezogen, die Generatoren der Gesundheitsposten waren mit Diesel versorgt. Tausende Helfer der Zivilverteidigung hatten sich sich um die Lebensmitteldepots gekümmert und Nutztiere auf dem Land in Sicherheit gebracht. Die Evakuierten waren in Schulen oder anderen Gemeinschaftsunterkünften untergebracht.

Der Kontrast zum benachbarten Haiti ist eklatant: Dort soll "Ike" am Sonntag über 70 Todesopfer gefordert haben. Nach vorläufigen Angaben kamen bei den letzten Stürmen um die 600 Haitianer um, die meisten in der Stadt Gonaïves. Das politisch instabile Land ist auch aus ökologischen Gründen besonders katastophenanfällig: Die Wälder sind zu 98 Prozent abgeholzt, die wenigen verbliebenen Bäume werden von den Armen zu Brennholz verarbeitet. "Armut ist der tödlichste Faktor, nicht die Kräfte der Gewalt", hatten UN-Experten bereits 2004 diagnostiziert.

Kuba beweist allerdings, dass auch mit bescheidenen Mitteln eine wirkungsvolle Vorsorge möglich ist. Das UN-Sekretariat zur Minderung von Katastrophen (ISDR) in Genf ist voll des Lobes. "Der kubanische Weg könnte leicht auf andere Länder mit ähnlichen wirtschaftlichen Bedingungen angewendet werden", meinte ISDR-Stratege Salvano Briceño vor vier Jahren, "selbst auf Länder mit größeren Ressourcen, die es nicht schaffen, ihre Bevölkerung so gut zu schützen wie Kuba". Der wichtigste Faktor dabei sei Bildung: "Die Menschen werden ständig informiert und trainiert."

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