Hakenkreuz als Hindu-Symbol

Wenn das Hakenkreuz religiös wird

Am Samstag geht die rechtsextreme NPD gegen Hindus auf die Straße. Beiden ist das Hakenkreuz Symbol, bei den Hindus heißt es Swastika. Die Swastika ist erlaubt, das Hakenkreuz nicht. Das musste auch die Polizei lernen

Das Hakenkreuz wird gemeinhin als Symbol der Nationalsozialisten verstanden. Die Verwendung ist daher in Deutschland streng verboten. Doch wenn die NPD am Samstag gegen die Hindus und ihre Tempel in Neukölln demonstriert, protestiert sie auch gegen eine Minderheit, die das Hakenkreuz verwenden darf - sogar mit dem Segen der Polizei.

Denn das Hakenkreuz wurde zwar 1920 von der NSDAP zum Parteisymbol und 1935 gar zur Flagge des Deutschen Reichs erkoren. Doch erfunden haben die Nationalsozialisten ihr Propagandasymbol keinesfalls. Es taucht bereits seit tausenden von Jahren in verschiedenen Kulturen auf. Mit am längsten wird es von den Hindus verwendet.

Das gemeinhin Swastika genannte Symbol wird in vielen Religionen Ostasiens als Sonnenrad interpretiert. Auch den Hindus gilt es als Zeichen für Glück und Frieden. So wird Ganescha, einer der wichtigsten hinduistischen Götter, in der Regel nicht nur mit einem Elefantenkopf dargestellt, sondern auch mit der Swastika auf der Innenfläche der rechten Hand. Die ist in der Form vollkommen identisch mit dem von den Nazis verwandten Hakenkreuz. Die seitenverkehrte Form der Swastika, bei der die Enden nach links abgewinkelt sind, ist der Gottheit Kali zugeordnet. Während Ganescha für das Glück zuständig ist, steht Kali für Tod und Erneuerung.

Fälschlicherweise wird häufig angenommen, dass nur die seitenverkehrte Form der Swastika ein Hindu-Symbol sei. Auch die Berliner Polizei scheint diesem Irrglauben zu unterliegen. Auf die Frage der taz, ob die Swastika als religiöses Symbol verwendet werden dürfe, antwortete Polizeisprecher Frank Miller: "Das Zeigen des seitenverkehrten Hakenkreuzes im Rahmen der Religionsausübung erfüllt aus Sicht der Berliner Polizei nicht den Tatbestand des Paragrafen 86a des Strafgesetzbuchs." Der verbietet allgemein die Verwendung von verfassungswidrigen Symbolen. Die Ausnahme gelte jedoch nur "in liturgischem Zusammenhang mit einer klar abgegrenzten Vereinigung von Gläubigen", betonte der Polizeisprecher.

Selbst wenn die Hindus am Samstag also planten, mit Hakenkreuzen gegen die NPD zu protestieren, würde das die Polizei nicht zulassen. Die Teilnahme an einer der Gegendemonstrationen sei nämlich keine Religionsausübung mehr, sagte Polizeisprecher Frank Millert. "Insofern wäre ein polizeiliches Einschreiten, das jeweils im konkreten Einzelfall zu prüfen ist, die Folge."

In Ländern mit einer weniger belasteten Vergangenheit ist die Rechtslage nicht so rigide. Als der britische Prinz Harry 2005 bei einer Party in Naziuniform samt Hakenkreuz-Armbinde auftauchte, löste dies eine heftige Debatte aus, rechtliche Folgen aber hatte er nicht zu befürchten. Denn das Zeigen des Hakenkreuzes ist nur in Deutschland und Österreich illegal. Zwar wurde daraufhin ein europaweites Verbot des Nazisymbols diskutiert, doch die auch von der Bundesregierung unterstützte Initiative scheiterte - unter anderem am heftigen Widerstand britischer Hindu-Gemeinden. GEREON ASMUTH

.

„Richtig schön multikulti“ – Erkundungen im Kiez rund um den taz Neubau:

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de