Renitente Genkartoffeln

Amflora wächst und gedeiht

Eigentlich ist der Anbauversuch mit der Genkartoffel von BASF längst vorbei. Aber im Acker stecken noch jede Menge Knollen. Hat da jemand gefährlich geschlampt?

Sieht aus wie Kartoffel, enthält aber modifizierte Gene: Amflora Bild: dpa

ZEPKOW taz Nach wenigen Schritten auf dem Maisfeld in der Nähe des südmecklenburgischen Dorfs Zepkow wird Günther Erbe fündig: Der Dezernatsleiter im Rostocker Landesamt für Landwirtschaft zeigt auf zwei vielleicht zwanzig Zentimeter hohe Pflanzen auf dem Boden und gräbt sie mit einer Hacke aus. "Da sind Kartoffeln", sagt Erbe - gentechnisch veränderte Pflanzen der Sorte Amflora, die Hersteller BASF vergangenes Jahr auf dem Feld getestet hatte. Inzwischen ist der Anbauversuch beendet, aber die bisher nicht zugelassenen Kartoffeln sind immer noch da, wie Erbes Inspektion am Mittwoch zeigte. Für Umweltschützer ist das ein Skandal.

Zum Beispiel für Miriam Groh. Sie wohnt rund zehn Kilometer von dem Feld entfernt und gehört zur Bürgerinitiative "Müritzregion Gentechnik-frei!". Amflora bezeichnet sie als Gefahr für die Gesundheit. Biotechnologen haben die Gene der Kartoffel so verändert, dass sie sich leichter zu Papier verarbeiten lässt als herkömmliche Knollen. Für die Produktion von Amflora wurde ihr zudem ein Gen eingebaut, das gegen Antibiotika resistent ist. Grohs Befürchtung: "Wenn Reste einer Amflora-Ernte verfüttert werden, gelangt das in die Nahrungskette - und wenn man das isst, wirken Antibiotika vielleicht nicht mehr."

Die Feldinspektion bestärkt die Aktivistin nur noch in ihrem Misstrauen gegen die Industrie. Denn Zuschauer lässt Dezernatsleiter Erbe bei seiner Arbeit nicht zu. Man wolle einen Massenauftrieb verhindern, der wie eine Feldbefreiung wirke, begründet das Erbes Chef, Bernd Broschewitz, vom Agrarministerium in Schwerin. "Haben Sie etwas zu verbergen?", ruft denn auch ein Gentechnikgegner erbost bei einem Gespräch nach dem Rundgang. Erst auf wiederholtes Bitten demonstriert Erbe nach der eigentlichen Inspektion, wie er seine Arbeit denn so macht.

Wie viele Kartoffeln Erbe bei der Stichprobe auf dem 20 Hektar großen Acker fand, hat er nach eigenen Worten nicht gezählt. Für die Behörden spielt die Zahl auch keine große Rolle. Schon wenn nur wenige Pflanzen gefunden werden, ordnen sie an, den Acker mit einem Gift gegen die Kartoffeln zu besprühen. "Im Herbst nach der Ernte des Silomaises muss noch mal gespritzt werden", sagt der Inspekteur. Nächstes Jahr werde er dann wieder kontrollieren - so oft, bis auch die letzte Amflora aufgibt.

Dass diese Strategie funktioniert, will er mit zwei Pflanzen belegen, die er vom Acker geholt hat: Die Blätter der einen sind gelb, wirken wie verwelkt; die andere hatte nur sehr kleine Kartoffeln. "Das Herbizid hat alle durchgewachsenen Pflanzen geschädigt", erklärt Erbe.

"Aber die genetische Information der Amflora ist noch auf dem Feld", kritisiert Groh. In den vergangenen Monaten hätten mehrere Menschen die Kartoffeln aufgesammelt und vermutlich gegessen. Wildschweine könnten die Knollen fressen. "Der Schock des Tages ist, zu erfahren, dass der Mais verfüttert werden soll", erzählt die Aktivistin. Bei der Ernte mische er sich möglicherweise mit Teilen der Kartoffelpflanzen.

"Wenn die Kartoffeln blühen, kann jede Biene den Pollen verbreiten", ergänzt Gentechnikexperte Burkhard Roloff vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). "Insgesamt zeigt das doch, dass Freisetzungsversuche mit Gentechnik zu unsicher sind."

Das sieht BASF-Sprecherin Susanne Benner anders. "Das Ergebnis der Kontrolle war wie erwartet. Es ist ganz normal, dass bei einer Kartoffelernte einige Pflanzen übrig bleiben." Diese würden eben später beseitigt. Das gegen Antibiotika resistente Gen der Amflora komme auch in der Natur vor und werde einfach ausgeschieden. "Wir verdauen täglich Gene."

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben