Interesse an brandenburgischer Immobilie

NPD will ins Asylbewerberheim

Auf der Suche nach Immobilien in Brandenburg interessiert sich die NPD ausgerechnet für eine ehemalige Flüchtlingsunterkunft. In der Kleinstadt regt sich nun Protest.

Laut Brandenburgs Innenministerium soll die NPD "eindeutiges Interesse" an dem Gebäude gezeigt haben. Bild: dpa

Alles deutet daraufhin, dass sich die NPD in ein ehemalige Asylbewerberheim im brandenburgischen Biesenthal einnisten will. Das bestätigte am Donnerstag das Innenministerium des Landes: "Die NDP hat eindeutiges Interesse an dem Grundstück gezeigt", sagte ein Sprecher. "Sie hat bereits Zugang zu dem Gebäude."

Anwohner wollen beobachtet haben, dass auf den Grundstück bereits Renovierungsarbeiten begonnen haben. "Ich habe vom Hausmeister des ehemaligen Asylbewerberheims erfahren, dass die NPD dort einzieht", sagt eine Frau, die in der Nähe des Gebäudes wohnt.

Genaueres erfährt man weder von der NPD noch vom Besitzer des Gebäudes. Letzterer streitet die Vermietung an die Rechtsextremen rundweg ab. Die haben Angst davor, dass ihnen zu erwartender Bürgerprotest das Pachten einer Immobilie erschwert. "Wir haben Interesse, aber mehr sagen wir nicht", sagt Klaus Beier, Chef der Brandenburger NPD und zugleich Sprecher der Bundespartei. "Sonst haben wir die Brandenburger Gutmenschen auf dem Hals."

Schon seit längerem versucht die NPD in Brandenburg an eine Immobilie zu kommen. Bisher wurde das jedes Mal durch Widerstand vor Ort verhindert. Insgesamt fünf Objekte haben die Rechtsextremen Brandenburg laut eigenen Angaben im Blick. Neben dem Haus in Biesenthal gehören dazu auch ein ehemaliger Landwirtschaftsbetrieb im südöstlich von Berlin gelegenen Rauen und ein Grundstück in der Stadt Rheinsberg im Norden des Landes. Die Nationaldemokraten haben in Brandenburg Größeres vor.

Zum einen wollen sie endlich einen Stützpunkt erwerben, der von Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Berlin und Hamburg aus leicht zu erreichen ist. In den beiden Flächenländern sitzt die NPD im Landtag, in Hamburg leben führende Aktivisten und in Berlin ist die Zentrale der Bundespartei angesiedelt. Zum anderen hat der Landesverband in jüngster Vergangenheit neue Mitglieder gewonnen und will auf lange Sicht die noch im Landtag vertretene DVU als führende rechtsextreme Partei ablösen.

Aus diesem Grund hält auch das renommierte Demos-Institut, das Kommunen zum Umgang mit Rechtsextremen berät, das Interesse der Nationaldemokraten für echt. "Der Vorsitzende des NPD-Kreisverbandes Uckermark-Barnim wohnt in Biesenthal", sagt Jürgen Lorenz von Demos. "Das Haus wäre über die nahgelegene Autobahnabfahrt leicht zu erreichen, der Standort also ideal."

Sollte sich bestätigen, dass die NPD das Gebäude mietet, wird es für die Neonazis wieder einmal nicht leicht werden. "Ich rechne mit einem breiten Widerstand der Bevölkerung und werde die Bürger dabei auch unterstützen", sagt Bürgermeister André Stahl (Linke), der eine Anwaltskanzlei im nahe gelegenen Bernau führt. Noch am Donnerstag Abend wollten sich Biesenthaler mit der Gemeindeverwaltung und Beratern des Demos-Institutes treffen, um über das weitere Vorgehen gegen die NPD zu beraten.

Die tut gelassen und stört sich auch nicht daran, ausgerechnet in ein Asylbewerberheim zu ziehen. "Statt Asylanten könnten national gesinnte Deutsche das Gebäude nutzen", sagt NPD-Sprecher Beier. "Das ist doch eine wünschenswerte politische Entwicklung."

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