Kreaturen, die die Welt nicht braucht

Der Scheißer und Beißer

Sechzig Tonnen Kot wirft der Stadthund alleine in Berlin ab - das sind sechseinhalb Kilo pro Berliner. Fünf Millionen Hunde treiben deutschlandweit ihr Unwesen. Das muss nicht sein.

Endlich jemand, der auf ihn hört: Mann mit ergeben hüpfendem Stadthund. Bild: dpa

FRANKFURT/MAIN taz "Wer Hunde und kleine Kinder nicht leiden mag, kann kein schlechter Mensch sein": Gut gesprochen, lieber W. C. Fields! Die gemeinen Metropolenhunde haben mehr Menschenleben auf dem Gewissen als alle anderen Säugetierarten auf der Welt. Sie übertragen Krankheitserreger, und ihre Exkremente in Parkanlagen und auf Kinderspielplätzen, auf Gehwegen und in Fußgängerzonen stinken zum Himmel.

Dies sind nur die prominenten Beispiel: Jüngst wurde der Chinesische Flussdelfin für ausgestorben erklärt, im Jahr 2000 war es der Pyrenäen-Steinbock. Und 1980 hatte es den Java-Tiger erwischt. Fast unbemerkt werden in den nächsten 100 Jahren, so schätzen Wissenschaftler, 30 bis 50 Prozent aller Arten verschwinden. So ein Massensterben hat es seit dem Tod der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren nicht mehr gegeben. Dabei werden die meisten Tiere, Pflanzen oder Mikroorganismen ausgestorben sein, bevor der Mensch sie entdeckt hat: Denn bislang sind zwei Millionen Arten bekannt, 10 bis 30 Millionen soll es aber geben. Im Mai 2008 werden in Bonn 5.000 Politiker und Experten darüber streiten, wie seltene Pflanzen und Tieren weltweit geschützt werden können: Die Bundesregierung ist Gastgeber dieser UN-Biodiversitätskonferenz. Und Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) will schon bis September eine nationale Biodiversitätsstrategie entwickeln. Derzeit "löschen wir die Daten der Natur von der Festplatte", sagt er.Aber mal ehrlich: Auch wenn jede Kreatur eine Daseinsberechtigung hat, weil sie für reines Trinkwasser sorgt, Schädlinge frisst, den Boden lockert oder Arzneien liefern könnte - es gibt doch auch Arten, bei denen es uns schwer fällt, sie lieb zu haben und die gern verschwinden dürften, zumindest aus unserer Nähe. In einer politisch völlig unkorrekten Sommerserie "Kreaturen, die die Welt nicht braucht" machen taz-RedakteurInnen der Evolution schon mal ein paar Vorschläge. Vielleicht hat sie ja ein Einsehen.

Rund 60 Tonnen Kot pressen rund 100.000 angemeldete und gut 100.000 nicht registrierte Stadthunde täglich allein in Berlin aus ihren parasitären Därmen. Das sind 21.900 Tonnen pro Jahr - oder umgerechnet exakt 6,34 Kilogramm Hundescheiße pro Einwohner (3,45 Millionen). Fünf Millionen Hunde insgesamt sollen in deutschen Städten ihr Unwesen treiben. Man mag gar nicht mehr ausrechnen, welche Massen von Ekel erregendem, bei Regen lasierendem, sich in den Laufrillen von Schuhsohlen festsetzendem Hundescheißdreck täglich über der gesamten Republik niedergehen.

"Wie der Herr, so s Gescherr", sagt man im Hessischen. Psychopathen schleifen fast nur aus Gebiss bestehende, eigentlich waffenscheinpflichtige Kampfhunde an Ankerketten durch unsere Städte. Andere "Herrchen" mit analem Charakter lassen ihre "Deutschen Schäfer" bei Fuß gehen und Stöckchen holen, weil ja sonst keine Kreatur - auch nicht ihre Frauen - auf sie hört. Wieder andere, meist kleinwüchsige Irre, kaufen sich dänische Doggen, Blut- oder Sklavensuchhunde, um die Armseligkeit ihrer eigenen Existenz zu kaschieren. Und dann heißt es immer wieder: "Leinen los!" Auf der Strecke bleiben harmlose Spaziergänger, Jogger - und kleine Kinder, denn der Stadthund ist von Natur aus feige und ein Angstbeißer.

"Rentner von Hund zerrissen - die Polizei schoss nicht" - "Pitbulls bissen Kind den Kopf ab" - "Theresa (6) von Rottweiler zerfleischt" sind alles Schlagzeilen aus deutschen Lokalzeitungen. In einer britischen Untersuchung mit dem Titel "Tödliche Hundebisse im Sektionsgut rechtsmedizinischer Institute" werden die häufigsten Todesursachen nach Angriffen von Hunden aufgelistet: Verbluten nach aufgerissener Halsschlagader, Verbluten nach zerbissenem Gesicht und Schädel-Hirn-Traumata. Fast immer waren es Stadthunde, die Menschen anfielen.

Weg also mit den Kötern aus unseren Städten! Man möchte von diesen Tölen auch nicht "zum Spielen" angesprungen oder gar abgeschleckt werden - nachdem sie vorher einem anderen Hund den Arsch ab- oder seine Pisse aufgeleckt haben.

Dabei könnte aus jungen Hunden doch so vieles Nützliche werden: Rettungs- oder Blindenhund, Drogenfahnder oder Lawinenhund, Haus- und Hofhund auf dem Land. Beim Stadthund aber wird jetzt zurückgeschlagen: Die ersten Giftköder sind ausgelegt. In Essen wurde ein Stück Fleisch mit Stecknadeln präpariert, im Norddeutschen ein Dobermann nach einem Angriff auf der Flucht erschossen, in Rüsselsheim ein früh kläffender Mops vom Balkon geschubst.

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