Skype

Millionen exkommuniziert

In der Nacht zum Freitag ging der Internettelefondienst von Skype in die Knie. Der Crash zeigt: Wer zuverlässig erreichbar sein will, kann aufs Festnetz nicht verzichten.

Skyper müssen Briefe schreiben. Bild: dpa

Große Überraschung bei vielen, die ihren Telefonanschluss gekündigt haben, um nur noch preiswert übers Internet zu telefonieren: Beim Anbieter Skype geht seit Donnerstag fast nichts mehr. Millionen Nutzer sind seitdem telefonisch von der Außenwelt abgeschnitten. Auch in Deutschland gibt es massive Probleme. So war es über Stunden nicht möglich, telefonischen Kontakt aufzunehmen. Dann klappte die Verbindung mal wieder - um kurz darauf erneut zusammenzubrechen.

Betroffen sind vor allem Kleinunternehmer und Selbständige, die sich durch den Umstieg auf Internettelefonie massive Kostenersparnis erhofft hatten. Ursache des Skype-Absturzes ist offenbar ein Softwareproblem, das bereits bereits seit mehreren Jahren besteht. Bei vielen Skype-Kunden ist schon seit Wochen kein Verbindungsaufbau mehr möglich, weil die - anfangs zeitlich befristete - Telefonnummer abgeschaltet wurde, obwohl die Kunden ihren Vertrag verlängert und die fälligen Gebühren entrichtet hatten.

Der aktuelle Absturz hat jedoch eher technische Ursachen. Die Skype-Geschäftsleitung spielte den Crash herunter und sagte, ihre Techniker arbeiteten intensiv an der Behebung des Problems. Die Ursache sei inzwischen geklärt, und immer mehr Nutzer könnten das System wieder nutzen und telefonieren.

Der Vorfall zeigt, dass VoIP (Voice over IP, Telefon über Internet) noch längst nicht so zuverlässig funktioniert, wie es von den Anbietern propagiert wird. Wer aus beruflichen Gründen auf das Telefon angewiesen ist, kann die Internettelefonie zwar nebenher für ansonsten teure Ferngespräche nutzen - die Hauptleitung mit der allen Kunden und Partnern bekannten Rufnummer sollte jedoch nach wie vor bei einem der klassischen Anbieter bleiben. Vermutlich werden irgendwann in der Zukunft Telefongespräche nur noch über das Internet geschaltet, aber bis es tatsächlich so weit ist, ist der herkömmliche Verbindungsaufbau mit einer festen Leitung vom Anrufer zum Angerufenen einfach zuverlässiger.

Auch die Sprachqualität lässt in der Regel zu wünschen übrig. In aufwendigen Anzeigen und in TV-Spots behaupten zwar die Anbieter, dass Telefonieren übers Internet genauso gut oder gar besser sei als herkömmliche Verbindungen - in der Praxis zeigt sich jedoch sehr schnell, dass zum Beispiel der mit ISDN erreichte Standard noch längst nicht erreicht ist. Da dauert es mitunter unendlich lange, bis es beim Gesprächspartner klingelt, dann knackt, knarzt und rauscht es in der Leitung, so dass kaum ein Wort zu verstehen ist. Bei anderer Gelegenheit ist die eigene Stimme als seltsames Echo zu hören, wie es mitunter auch bei Gesprächen über Satellitentelefone geschehen kann.

Auch ist die Skype-Technik und die verwendeten Übertragungsprotokolle längst nicht mehr "State of the Art". Zwar ist hier nach wie vor kostenlose Internettelefonie von PC zu PC oder von und zu speziellen Skype-Geräten möglich - wer jedoch auch Festnetz- und Mobilfunkanschlüsse erreichen will und anders herum von allen erreicht werden möchte, braucht ein kostenpflichtiges Skype-Zugangskonto. Das erinnert ein wenig an die Zeit, in der findige PC-Bastler Kopfhörer und Mikrofon an die Soundkarte stöpselten, um dann per spezieller Software übers Internet zu telefonieren.

Anbieter, die das inzwischen weit verbreitete "Session Initiation Protocol (SIP)" verwenden, sind schon deutlich weiter. Das betrifft auch die großen deutschen Anbieter wie die Telekom, 1&1 und den Discounter Lidl. Hier können ganz normale Standardtelefone benutzt werden, die einfach an die Telefonbuchse von modernen Routern angeschlossen werden, wie sie heutzutage zu jedem DSL-Anschluss geliefert werden - zum Beipiel die Fritzbox des Berliner Herstellers AVM oder die Speedport-Router der Telekom.

Einfach umschalten

Mit dieser Lösung kann das im September 2005 von Ebay für 3,3 Milliarden Euro aufgekaufte US-Unternehmen Skype einfach nicht mithalten. Der Router ist zwar wie üblich mit dem Internet verbunden, jedoch über ein zusätzliches Kabel auch mit dem Telefonnetz. Damit kann bequem ausgewählt werden, ob übers Internet oder über die Leitung des Telefonanbieters telefoniert werden soll - wenns sein muss, auch bei jedem einzelnen Gespräch.

Auch hier ist die Verbindungsqualität noch weit vom ISDN-Standard entfernt, jedoch hörbar besser als bei Skype. Durch einige Feineinstellungen, etwa Abschalten der Sprachkompression, sind weitere Verbesserungen möglich; dazu braucht es nicht das Know-how eines Spezialisten, nur ein wenig Mut.

Es ist beruhigend zu wissen, dass man ganz einfach per Mausklick umschalten kann, wenn eine der beiden Leitungen zusammenbricht.

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de