Kolumne Die Kriegsreporterin

Die WM der Tittenträgerinnen

Die Fifa besteht auf dem Unterschied zwischen Fußball und Frauenfußball. Frauen sind ja nur Behinderte mit Titten, die einem Ball nachstolpern.

Die Fußballerinnen Alexandra Popp und Lena Gößling

Rosa Nagellack und Wimperntusche? Das sind doch keine Fußballerinnen, das sind Fußballerinas! Foto: dpa

Hallo, taz-Medienredaktion! Sehnst du dich auch manchmal nach den Tagen, als die Welt noch einfach war? Als etwa Fußball das Spiel der Arbeiterklasse war und nicht die selbstgefällige Angeberei Bestverdienender, die zu jedem Spiel des FC Bayern reisen, das im Ausland stattfindet?

Damals konnten Männer noch denken. Ihnen war immer klar, welche Fußballweltmeisterschaft denn nun gerade stattfand. Also 1990, 1994 und 1998 die „richtige“, die der Männer – und wenn eine Fußball-WM dazwischen stattfand, dann musste es die der Frauen sein, denn Kühe spielen ja nicht Fußball.

Nun las ich im Handelsblatt, dass die Fifa, dieser Verein, den man, ohne jemanden zu beleidigen, als Verbrecherverein bezeichnen kann, dem schwedischen Fernsehsender TV 4 untersagt hat, die aktuell laufende WM der Frauen „Fifa Fußballweltmeisterschaft 2015“ zu nennen. Es sei nur statthaft, das Ding als „Fifa Frauenweltmeisterschaft“ zu bezeichnen. Womit man unterschlüge, in welcher Disziplin gerungen wird.

Wahrscheinlich hoffen die Fifa-Ganoven, die Weiber würden irgendwann mit dem Gekicke aufhören und dann hätte man gleich die Rechte für eine Strip-WM im Sack. Ich werde mich an diese kapitalistisch motivierte Verbrechervorgabe nicht halten und von der „Fifa Fußballweltmeisterschaft 2015“ reden. Wann immer es geht. Also jetzt.

Womit ich das Thema wechsle. Letzte Woche, kurz vor Start der Fifa Fußballweltmeisterschaft 2015, musste ich lesen, dass der Verlag der Kieler Nachrichten gedenkt, die Honorare seiner freien Text- und Bildredakteure um 15 Prozent zu senken. Die Zeitung gehört zum Madsack-Verlag, der sich durch seine Tarifumgehungsstrategien zu einer Art Drückerverlag entwickelt hat. Lustigerweise sollen die Honorare „rückwirkend“ gesenkt werden. Das funktioniert wohl nur, weil man sich bei der Überweisung der Kröten Wochen Zeit lässt.

Begründet wird dieser Schritt damit, dass trotz so toller Ereignisse wie der Fifa Fußballweltmeisterschaft 2015 die Auflage sinke. Verleger und Chefredakteure machen also die Zeitung nicht so, dass Leute sie kaufen wollen – und die freien Mitarbeiter, die schwächsten Mitglieder der Kette, müssen das ausbaden? Was ist denn das für eine Logik? Und was für ein beschissenes System?

Bleiben wir bei der Logik und fragen uns in Zeiten der Fifa Fußballweltmeisterschaft 2015, warum so viele Männer eine Frau heiraten, von der sie nichts halten. So stand bei turi2, der Chefredakteur von Euro am Sonntag – was wohl ein Geldheft für Kirchgänger ist – habe in einer Blattkritik der Gala bemängelt, sie beinhalte zu wenig Trash über deutsche Promis. Sei aber „auf ihre Art perfekt“ für seine Frau. Der hält vollkommenen Schrott in seiner Hand, Verblödung pur, und sagt, „ein super Heft für meine Frau!“ Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wer von beiden mir mehr leidtut.

Auch weiß ich nicht, wer mir mehr leidtut, wenn ich höre, Thomas Gottschalk denke über eine Neuauflage von „Wetten dass..?“ nach. Gottschalk oder das Fernsehen.

Und dann frage ich mich: Kann denn in dieser beknackten Welt, in der ein Unterschied zwischen Fußball und Frauenfußball existieren soll, also zwischen Fußball von Männern und Behinderten mit Titten, die einem Ball nachstolpern, nicht mal ein Ende ein Ende bleiben? Etwas Gültigkeit haben? Gibt es niemanden mehr, der zu seinem Wort steht? Verdammte Arschgeigenkackkrampfgesichter, ihr geht mir so auf den Geist! Ich geh jetzt Fußball gucken. Von Weltmeisterinnen, ihr Furzfressen-Gala-Leser.

Und damit zurück nach Berlin!

 

Silke Burmester ist mittwochs auf der taz-Medienseite als „Kriegsreporterin“ im Einsatz. Bei Spiegel Wissen trägt Ihre Kolumne den schönen Titel „Frau Burmester hat einen Termin“. Ihre Themen sind Gesellschaftspolitik, Medien und Kultur. Außer für ihre Liebe, die alte Tante taz, schreibt sie u.a. fürs Manager Magazin, Brigitte Woman und Reisemagazine. Sie gibt Schreibseminare und ja, sie macht auch PR. Bei Kiepenheuer und Witsch ist ihr Pamphlet gegen die Hysterie der Medien „Beruhigt Euch“ ebenso erschienen, wie „Das geheime Tagebuch der Carla Bruni“. Silke Burmester ist Mitglied bei ProQuote und bei Freischreiber.

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