„Es ist der Kampf gegen die Todesstrafe“

Ein Berliner Bündnis setzt sich für die Freiheit des US-Gefangenen Mumia Abu-Jamal ein

Was ist das Besondere an diesem Fall, der seit Jahren die Gemüter erhitzt? Dieser Fall, der nun seit 28 Jahren bewegt, ist ein Mysterium an sich. Mumia Abu-Jamal, bekannter Journalist, Aktivist, Ehrenbürger von Paris und Mitglied des P.E.N. Clubs ist des Mordes angeklagt. 1981 soll er in Philadelphia den weißen Polizisten Daniel Faulkner erschossen haben. Ihn selbst traf eine Kugel aus einer Polizeiwaffe. Schwer verletzt kam Abu-Jamal ins Krankenhaus und überlebte.

Zeugenaussagen und Beweise zu dieser Nacht sind widersprüchlich und bis heute unklar. Die Jury, bestehend aus zehn Weißen und zwei Schwarzen, wurde manipuliert. Den Geschworenen wurden Zeugen vorenthalten und es wurde verschwiegen, dass sie nicht einheitlich zu urteilen haben. So wurde Abu-Jamal vor fast dreißig Jahren zum Tod verurteilt. Der Fall ist politisch aufgeladen, denn dass die US-amerikanische Justiz damals ein rassistisches Verfahren durchführte, das ist heute bewiesen.

Abu-Jamals Themen als Journalist waren soziale Ungerechtigkeit, Rassismus und Politik. Von einer Tageszeitung in Philadelphia wurde er „Voice of the Voiceless“ genannt. Er war Mitglied bei der Black Panther Party und politisch dem linken Lager zuzuordnen. Heute versucht sein Anwalt Robert R. Bryan immer noch, den Prozess neu aufzurollen. Aber die Anträge werden von den Richtern wieder und wieder abgelehnt. Das Todesurteil gegen Abu-Jamal wurde zwar 2008 aufgehoben, jedoch ging die Gegenseite in Berufung, und so schwebt das Todesurteil immer noch über dem Angeklagten. Dieser verweigert die Aussage zur besagten Nacht, würde aber vor einer neuen Jury aussagen wollen. Mumia Abu-Jamal ist das Symbol im Kampf gegen die Todesstrafe und rassistische Justiz. Aufgrund der Beweislage ist allerdings immer noch unklar, ob er den Mord begangen hat oder nicht. Seine Gegner sitzen zurzeit allerdings am längeren Hebel. Der Staatsanwalt Ed Redell, der ihn in die Todeszelle gebracht hat, ist heute Gouverneur von Pennsylvania und wartet nur auf das Todesurteil.

Weltweit hat Abu-Jamal Unterstützer, auch wichtige Persönlichkeiten wie Desmond Tutu oder Salman Rushdie, die seine Freiheit verlangen oder wenigstens auf ein neues Verfahren drängen. Er hat aber auch ebenso viele Gegner, die ihn tot sehen wollen.

Das Berliner Bündnis „Freiheit für Abu-Jamal“ besteht seit 2006. Erst hatte sich eine Hörbuch-Gruppe formiert, die zusammen mit Michael Schiffmann das Hörbuch „Wettlauf gegen den Tod“ produziert hat. Schiffmann hat das gleichnamige Buch geschrieben, in denen er neue Beweise auflistet, die Abu-Jamal entlasten sollen. Aus vielen Einzelgruppen, die sich zum Teil schon seit Jahren mit Abu-Jamal beschäftigen, ist im April 2007 das Berliner Bündnis entstanden. Matthias (*) erklärt den Fall Abu-Jamal ausführlich, kennt alle Namen und Hergänge, auch das Rechtssystem der USA ist keine Hürde für ihn. „Das Besondere im Fall Abu-Jamal ist, dass dort alles, was in der amerikanischen Justiz schiefläuft, zusammenkommt. Alles bündelt sich. Die rassistische Justiz, Todesstrafe, verfassungswidrige Auswahl der Juroren.“ Das Bündnis kämpft mit Demos, Flugzetteln, Öffentlichkeitsarbeit und Notfalldemonstrationen, dass Mumia Abu-Jamal ein neues und faires Verfahren bekommt oder bestenfalls frei kommt. Aber auch die Todesstrafe ist ein großes Thema, das sich am Fall Abu-Jamal anschaulich machen lässt. „Es ist auch ein Kampf gegen die Todesstrafe“, sagt Matthias. Das Berliner Bündnis „Freiheit für Mumia Abu-Jamal“ ist mit anderen Mumia-Solidaritätsorganisationen in der ganzen Bundesrepublik und auch mit der Roten Hilfe verknüpft. Die Rote Hilfe hat sich Mumia Abu-Jamals angenommen und organisiert Infoveranstaltungen und klärt die Öffentlichkeit über den Fall auf.

Wer sich beteiligen möchte, der kann sich rüsten für die Notfallproteste, im Fall des Hinrichtungsbefehls und für die Aktion 3+12. Am dritten Tag nach Verkündung des Todesurteils soll um 12 Uhr vor den US-Behörden und Botschaften demonstriert werden. Spenden an das Berliner Bündnis „Freiheit für Mumia Abu-Jamal“ sind möglich. Im Internet kann man auf der Bündnisseite die Petition gegen die Todesstrafe unterschreiben. Es gibt Postkarten, die Mumia Abu-Jamal im Gefängnis erreichen können.

Die nächste Demo findet am 9. Dezember, dem 28. Jahrestag von Abu-Jamals Verhaftung statt. Los geht es um 16 Uhr vom Boxhagener Platz zur Amerikanischen Botschaft am Pariser Platz.

* Name von der Red. geändert