Atommüll nach Brokdorf

Die Castoren kommen

In das AKW-Zwischenlager Brokdorf soll nach dem Willen des grünen Umweltministers Habeck neun Castoren eingelagert werden.

Das AKW Brokdorf von oben

Wird es faktisch zum Atommüll-Endlager? AKW Brokdorf.  Foto: dpa

HAMBURG taz | Die Castoren stehen vor der Tür. In einem Schreiben an Schleswig-Holsteins Landtags-Präsidenten Klaus Schlie (CDU) hat Umweltminister Robert Habeck (Grüne) jetzt die Grundzüge für die Einlagerung von Castorbehältern aus der Wiederaufarbeitungsanlage im britischen Sellafield erläutert.

Sieben Behälter mit hochradioaktivem Inhalt sollen demnach im Zwischenlager am Atomkraftwerk Brokdorf aufbewahrt werden. Dies sei das Ergebnis langwieriger Verhandlungen mit dem Bundesumweltministerium und den Bundesländern.

Aus Habecks Sicht erfüllt dieses Konzept die 2013 vom Landtag formulierten politischen Bedingungen an die Einlagerung der Castoren. Jedoch sei es Sache des Parlaments, eine erneute Debatte und Beschlussfassung zu verlangen.

Ob er das tut, ist noch unklar „Auf unser Gesprächsangebot an die Fraktionen gibt es noch keine Rückmeldung“, sagt Habecks Sprecherin Nicola Kabel. Aber es ist kaum davon auszugehen, dass die Opposition sich in dieser brisanten Frage selbst ein Redeverbot erteilen wird.

Ich bin Blindtext. Von Geburt an. Es hat lange gedauert Blindtext

Brokdorf – Betreiber seit 1986: Eon und Vattenfall. Stilllegung geplant: 31. 12. 2021.

Brunsbüttel – Betreiber seit 1977: Vattenfall und Eon. Außer Betrieb seit: 28. 6. 2007. Stillgelegt: 6. 8. 2011.

Krümmel – Betreiber seit 1984: Vattenfall und Eon. Außer Betrieb seit 28. 6. 2007. Stillgelegt: 6. 8. 2011.

Unterweser – Betreiber seit 1979: Eon. Außer Betrieb seit 18. 3. 2011. Stillgelegt: 6. 8. 2011.

Grohnde – Betreiber seit 1985: Eon. Stilllegung geplant: 31. 12. 2021.

Emsland – Betreiber seit 1988: RWE. Stilllegung geplant: 31. 12. 2022.

Vermutlich ab 2018 muss Deutschland 21 Castoren mit wiederaufbereitetem Abfall aus Sellafield und fünf weitere aus La Hague (Frankreich) zurücknehmen. Nach einer Verständigung vom Juni vorigen Jahres will das Bundesumweltministerium die fünf Behälter aus La Hague ins Zwischenlager Philippsburg (Baden-Württemberg) bringen.

Die 21 Castoren aus Sellafield sollen bis 2020 auf die Lager an den Atomkraftwerken Isar (Bayern), Biblis (Hessen) und Brokdorf verteilt werden. Damit sind sechs oder sieben Behälter für Brokdorf vorgesehen.

Dort aber wird es eng. Denn dem Zwischenlager am benachbarten AKW Brunsbüttel ist im Januar 2015 vom Bundesverwaltungsgericht die Betriebserlaubnis entzogen worden. Damit hat das Land nur noch begrenzte Möglichkeiten.

Das Zwischenlager in Brokdorf hat 100 Stellplätze. 26 Castoren stehen dort, etwa 53 werden aus dem Betrieb des Kraftwerks noch hinzukommen. Die abgebrannten Brennelemente aus dem Reaktor Brunsbüttel erfordern elf oder zwölf Castoren, im dortigen Zwischenlager stehen bereits neun. Sollten alle nach Brokdorf, wäre dort die Kapazität schon ohne Sellafield-Castoren erschöpft.

Klarheit fordert deshalb Karsten Hinrichsen von der örtlichen Anti-Atom-Ini „Brokdorf.akut“. Seiner Ansicht nach ist ein neues Genehmigungsverfahren nötig: „Die Betriebsgenehmigung umfasst nur abgebrannte Brennstäbe aus Brokdorf, nicht aus anderen Atommeilern.“ Zudem befürchtet er, dass Brokdorf faktisch zu einem Endlager wird.

Denn vor 2050 dürfte bundesweit kein Atommüll-Endlager zur Verfügung stehen. „Die Zwischenlagerung“, sagt Hinrichsen, „würde Jahrzehnte dauern – mindestens“.

 

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