Kommentar Verbot sexistischer Werbung

Eine nackte Frau zum Rasenmäher

Das von Justizminister Maas geplante Verbot sexistischer Werbung schlägt hohe Wellen. Dabei geht es mehr um Jugendschutz als um Zensur.

Rotes Werbeplakat mit einer Frau mit vier Brüsten an einer Bushaltestelle

Ist das etwa witzig? Foto: imago/CHROMORANGE

BERLIN taz | Das große Augenrollen hat schon begonnen. Im Netz wird gehöhnt, Justizminister Maas solle sich doch ein neues Volk wählen, wenn ihm das alte nicht gefalle. Grund: Der Justizminister erwägt, sexistische Werbung zu verbieten. Er sieht, was alle sehen, die nicht Tomaten auf den Augen haben. Zu viele Rasenmäher, Autolacke, Deos und Haarspülungen werden mit sexistischen Bildern beworben – und was Werbung mit ihren AdressatInnen macht, kann man in vielen Studien nachlesen.

Werbung wirkt. Deshalb stecken Unternehmen Millionen in ihre Werbekampagnen. Werbung hantiert mit Wünschen. Zum Rasenmäher gibt’s eine nackte Frau gratis dazu. Diesen Wunsch will Maas nun versagen. „Was ist der, mein Erzieher oder was?“, tönen die, deren Wünsche hier zensiert werden sollen.

Es ist das alte Problem: Wer das Patriarchat beenden will, will patriarchale Sichtweisen ändern. Und quatscht damit zwangsläufig den NutznießerInnen des Patriarchats in das hinein, womit sie sich wohlfühlen. Natürlich wollen die nicht alle den Hardcore-Sexismus verteidigen, aber so was hübsch Ironisches wie die Werbung für das Deo Axe, das derart explizit als Frauenbetörer beworben wurde, dass man schon wieder darüber lachen musste – solche Dinge möchte man sich nicht wegnehmen lassen. Eine Einschränkung der Freiheit droht – und damit Zensur.

Aber es gibt eben auch die Essstörungen und die vielen Mädchen, die meinen, sie hätten keine Daseinsberechtigung, wenn sie Männern nicht gefallen. Es geht also eher um Jugendschutz als um Zensur. Wer an diesem Mindset etwas ändern will, muss Bilder verändern. Es wäre trotz allen Jugendschutzes besser, wenn man dabei ohne Verbote auskäme. Dann bräuchte man aber ein Gremium, das diese Werbung öffentlich problematisiert und mit den Unternehmen ins Gespräch kommt. Der von der Wirtschaft selbst finanzierte Werberat ist das augenscheinlich nicht.

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Jahrgang 1968, ist seit 1999 Redakteurin für Geschlechterpolitik der taz. 2004 erschien von ihr das Buch „Der Kopftuchstreit, Das Abendland und ein Quadratmeter Islam“. 2009 wurde sie mit dem Preis „Der lange Atem“ des Journalistenverbands Berlin Brandenburg für ihre Berichterstattung über Geschlechterstereotype ausgezeichnet.

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