Kurznachrichtendienst und AGBs: WhatsApp unterliegt vor Gericht
Verbraucherschützer siegen vor Gericht gegen den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Der muss seine englischen AGBs jetzt übersetzen.
Der Kurznachrichtendienst WhatsApp muss seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen in deutscher Sprache anbieten. Das entschied das Berliner Kammergericht Anfang April, wie der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) am Dienstag mitteilte. Der Verband hatte gegen das Unternehmen, das mittlerweile zum US-Konzern Facebook gehört, geklagt.
Schon auf Deutsch verfasste Geschäftsbedingungen sind für Nutzer häufig nicht einfach zu verstehen. Eine Studie des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet, hinter dem unter anderem die Deutsche Post steht, kam im vergangenen Oktober zu dem Ergebnis: Über 60 Prozent der Internetnutzer lesen die Klauseln nur flüchtig oder gar nicht. Fast jeder Nutzer hat demnach schon mal Geschäftsbedingungen abgenickt, ohne sie gelesen zu haben.
Für alle Nichtleser bedeutet das: Sie wissen häufig nicht einmal grob, was der Dienst mit ihren persönlichen Daten unternimmt. Im Fall von WhatsApp räumt sich der Anbieter in den mehr als 6.000 Wörter langen Geschäftsbedingungen einiges ein. Zum Beispiel, dass kalifornisches Recht gilt. Wer also juristischen Ärger mit WhatsApp hat, muss dort klagen.
Darüber hinaus hält sich das Unternehmen offen, Informationen aus den Statusmeldungen der Nutzer für wirtschaftliche Zwecke zu verwenden. Auch eine Datenweitergabe an Dritte ist möglich, wenn dadurch der Service verbessert werden kann – was das im Detail bedeutet, hält auch vzbv-Jurist Heiko Dünkel für auslegungsbedürftig.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, WhatsApp hat die Möglichkeit, Nichtzulassungsbeschwerde einzulegen. Eine Anfrage zu dem weiteren Vorgehen ließ das Unternehmen bis Redaktionsschluss offen. Entschließt es sich dazu, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen einfach zu übersetzen, könnte gleich der nächste Prozess folgen. Dünkel kündigt an, die deutschen Klauseln genau zu prüfen. Und gegebenenfalls gerichtlich gegen unerlaubte Bestandteile vorzugehen.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert