„Keine utopische Spinnerei“

„No BNQ“ stellt städtebauliches Gegenkonzept vor

taz: Frau Maruhn, ist St. Pauli noch zu retten?

Jenny Maruhn: Das hässliche neue Brauereiquartier können wir nicht wieder abreißen. Aber die Politik könnte mit Unterstützung unseres Projekts gerade jetzt zeigen, dass sie ernsthaft etwas gegen die Gentrifizierung unternehmen will.

Was könnte denn anstelle des geplanten Bernhard-Nocht-Quartiers entstehen?

In erster Linie günstige Sozialwohnungen. Und wir denken an eine überdachte Glaspassage mit einer kleinen Brauerei, Mietbüros, Kinderladen, Lesesaal und einem großen Tisch, an dem mittags alle zusammen essen.

■ wohnt seit vier Jahren in der Bernhard-Nocht-Straße und engagiert sich für die Iniative „No BNQ“. Sie ist Filmschaffende.

Hört sich vielversprechend an. Aber wie wird das finanziert?

Ein fertiges Konzept gibt es noch nicht. Wir haben das aber schon durchrechnen lassen. Das ist keine utopische Spinnerei! Natürlich brauchen wir die Unterstützung durch öffentliche Gelder und man kann eine Genossenschaft gründen.

Sie haben ihre Ideen in einer Broschüre festgehalten?

Genau. Das ist aber kein geschlossener Entwurf. Nach dem Motto „work and progress“ hat jeder hat die Möglichkeit, seinen Senf dazuzugeben. Wir möchten mit allen ins Gespräch kommen!

Was fordert „No BNQ“ darin?

Dauerhaft niedrige Mieten! Die Wohnungen sollen für immer dem Spekulationsmarkt entzogen werden. Wichtig ist uns auch, dass wir in die Entscheidungsprozesse integriert werden. Ein öffentliches Planungsbüro wäre ein erster Schritt.