Kommentar Ditib versus Kurden-Vereine

Sinnlose Schlammschlacht

Türken und Kurden streiten auch in Deutschland. Dabei wären beide Seiten gut beraten, es mit der Kritik nicht zu übertreiben.

Frau mit buntem Kopftuch von hinten, vor einer türkischen Fahne

Der Konflikt in der Türkei sollte nicht das Verhältnis zwischen Kurden und Türken hierzulande belasten Foto: dpa

Die aktuellen Konflikte in der Türkei färben auf Deutschland ab. Auch hier wird der Ton rauer, wie die Schlammschlacht zwischen türkisch-islamischem Dachverband Ditib und Kurdischer Gemeinde zeigt. Und leider mangelt es an unparteiischen Stimmen, die dazu beitragen könnten, die Wogen zu glätten.

Es ist verständlich, dass die Kurdische Gemeinde Vorbehalte gegenüber Ditib hegt. Der türkisch-sunnitische Islamverband ist eng mit dem türkischen Staat verbunden, der Kurden und Aleviten bis heute keine gleichen Rechte einräumt. Nachvollziehbar ist auch, dass man bei Ditib die Kurdische Gemeinde kritisch sieht, die keinen Hehl aus ihrer Sympathie für kurdische Milizen macht, die andernorts den türkischen Staat bekämpfen.

Nur: Dieser Konflikt sollte nicht das Verhältnis zwischen Kurden und Türken hierzulande belasten. Die Kurdische Gemeinde wäre deshalb gut beraten, mit ihrer Kritik an Ditib nicht zu übertreiben. Der türkische Verband ist derzeit in der Defensive, und der türkische Präsident Erdoğan ist in Deutschland eine Hassfigur, während sich die Kurden breiter Sympathien erfreuen können.

Doch der Wind kann sich jederzeit drehen, und dann sind die Kurden wieder der Buhmann. Das sollte man im Blick haben, bevor man die eigene Position überschätzt.

Aber auch Ditib wäre gut beraten, rhetorisch abzurüsten und nicht auf jeden Anwurf gleich reflexhaft zu reagieren, wenn der Verband weiter als Verhandlungspartner des deutschen Staats ernst genommen werden will. Auch er hat etwas zu verlieren. Dieser Streit lässt beide Seiten beschädigt zurück. Gewinner sind die Rechtspopulisten von der AfD, die sich zurücklehnen und zum Popcorn greifen können, um das Schauspiel zu genießen.

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Seit dem Putschversuch im Sommer 2016 entwickelt sich die Türkei unter dem Präsidenten Erdogan immer stärker zu einer Autokratie.

Jahrgang 1970, ist seit 1998 bei der taz. Er schreibt über Migration und Minderheiten, über Politik und Popkultur. Sein Buch "Angst ums Abendland. Warum wir uns nicht vor Muslimen, sondern vor den Islamfeinden fürchten sollten" ist gerade im Westend Verlag erschienen.

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