Trisomie 21 in der Kunst

Ich bin, was ich bin

Seit einem Monat wird eine Ausstellung zum Thema Down-Syndrom in der Kunst- und Ausstellungs-Halle in Bonn gezeigt. Eindrücke in einfacher Sprache.

Kunstinteressierte in einer Galerie

Besucherinnen und Besucher bei der Austellungseröffnung Foto: Sandra Stein

Viele Menschen haben sich vorher gefragt:Was soll man zu diesem Thema ausstellen?

In der Ausstellung wird die Geschichte von Menschen mit Down-Syndrom erzählt:Wie haben sie in der Vergangenheit gelebt?Gibt es Spuren von ihnen in der Geschichte?Wie leben sie heute?Welche Arten von Kunst machen Menschen mit Down-Syndrom?Und: Wie wollen sie in Zukunft in unserer Gesellschaft leben?

Anna-Lisa Plettenberg ist froh, Teil des Ausstellungs-Teams zu sein.Sie schreibt:„Finde ich gut, dass ich da drin bin. Weil das interessant ist, dass ich in diesem Team bin. Dass wir über die Künstlerin Judith Scott gelernt haben. Und über den John Langdon-Down erforscht haben. Darum ist das entstanden, die Ausstellung: im Team. Das finde ich echt super. Weil das interessiert mich sehr, diese Ausstellung.“

Zum Ausstellungs-Team gehören Menschen mit und ohne Down-Syndrom.Sie haben zwei Jahre lang im Team gearbeitet.Sie haben zusammen geplant und entschieden: Was sind die Themen der Ausstellung?Welche Kunst-Werke werden gezeigt?Und welche Geschichte wollen wir erzählen?

Alle Texte in der Ausstellung sind in klarer Sprache geschrieben.Damit alle Besucher und Besucherinnen sie gut verstehen können.Egal, ob es um Chromosomen geht oder um Rechte und Gesetze.

An den Wochenenden gibt es Tandem-Führungen durch die Ausstellung.Eine am Freitag und zwei am Sonntag.Was ist eine Tandem-Führung? 2 Personen machen die Führung zusammen.Eine Person mit Down-Syndrom.Und eine Person ohne Down-Syndrom.

Julia Bertmann macht Tandem-Führungen.Nach ihren ersten Führungen hat sie ihre Eindrücke beschrieben:„Inklusion finde ich gut, das sah man heute bei der Tandem-Führung.

Die beiden Tandem-Führungen fand ich super. Ich habe viel gesprochen, es war sehr interessant gewesen. Alle Leute haben mir zugehört und keiner hat dazwischen gesprochen. Meine Tandem-Partnerin war sehr nett, sie hat mir geholfen, wenn ich was nicht verstanden habe. Der Tag war für mich sehr informativ. Ich kann mich jetzt entspannt zurücklegen.

Menschen mit Behinderungen fordern immer wieder: „Nichts über uns ohne uns!“ Jedoch sind sie in den Redaktionsräumen des Landes kaum vertreten. Zum internationalen Tag der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember 2016 präsentiert sich die taz am Vortag als Ergebnis einer „freundlichen Übernahme“.

Darin erzählen Autor_innen von sich. Davon, dass sie nicht „an den Rollstuhl gefesselt sind“ oder „an ihrem schweren Schicksal leiden“. Davon, wie es ihnen im Alltag und im Beruf ergeht. Koordiniert wird die Übernahme von Leidmedien.de. taz.mit behinderung – am Kiosk, eKiosk und natürlich online auf taz.de.

Ich habe das Gefühl gehabt, dass die Leute Interesse gezeigt haben an der Ausstellung.“

Anna-Lisa Plettenberg hat einen Wunsch.Sie schreibt:

„Ich will, dass hinterher alle Besucher und Besucherinnen wissen: Menschen mit Down-Syndrom können lesen, schreiben und rechnen. Das können die lernen! Und Kopfrechnen auch. Und dass die schlau sind!“

Julia Bertmann ist gerne in den Ausstellungs-Räumen.Sie beschreibt:

„Wenn ich durch die Ausstellung gehe und sie erkläre, fühle ich mich gut. Ich finde, die Ausstellung ist ein absoluter Hit. Alle Leute, die ich kenne, staunen über diese Ausstellung: Einmalig! Super! Sehr informativ! Schön aufgebaut! Toll erklärt!“

Jeanne Marie Mohn ist Künstlerin aus Frankfurt.Sie hat ein Exponat in der Ausstellung:

Den Chromosomen-Teppich im Raum 6 „Forschung – Ich bin, was ich bin“.Ihre Zusammenfassung, ob sie mit der Ausstellung zufrieden ist, fällt knapper aus:„Ja. Die Ausstellung ist richtig geil.“

Katja de Bragança ist die Kuratorin der Ausstellung.Auch sie ist begeistert darüber, wie die Ausstellung läuft.Sie sagt: „Ich finde es toll, dass so viele verschiedene Gruppen in die Ausstellung kommen:Schul-Klassen, Lehrer-Fortbildungen, Menschen mit und ohne Down-Syndrom, Fach-Leute und Menschen, die von dem Thema vorher keine Ahnung hatten.Jeden Samstag kann man sich in der Ausstellung Chromosomen durch ein Mikroskop angucken. Cyto-Genetiker und Cyto-Genetikerinnen erklären, wie es geht.

Ich freue mich, dass auch meine ehemaligen Kolleginnen und Kollegen in der Ausstellung sind.Es gibt viele spannende Begegnungen.Das baut Berührungs-Ängste ab und führt dazu, dass alle mit dem Thema Down-Syndrom entspannter umgehen können.“

Zwei Menschen im Gespräch

Ins Gespräch kommen mit den Expertinnen und Experten Foto: Sandra Stein

Anne Leichtfuß ist Mitglied im Forschungs-Projekt TOUCHDOWN 21.Und sie gehört zum Beirat der Ausstellung.Sie freut sich über die vielen Besucher und Besucherinnen mit Down-Syndrom.Sie sagt: „Ich fand es unglaublich, wie viele Menschen mit Down-Syndrom am Eröffnungs-Wochenende da waren. Insgesamt waren es mehr als 1.000 Menschen am ersten Abend.Ich freue mich, wie lässig und professionell meine Kolleginnen und Kollegen mit Down-Syndrom sich den Raum im Museum erobern.Sie sind Botschafter der TOUCHDOWN-Ausstellung.Sie haben sich lange Zeit auf die Ausstellung vorbereitet und werden als Expertinnen und Experten anerkannt. Das freut mich zu sehen.“

Inzwischen haben fast 6.000 Besucher und Besucherinnen die TOUCHDOWN Ausstellung gesehen. Sie läuft in der Bundeskunsthalle in Bonn. Noch bis zum 12. März 2017.

 

Behindert ist man nicht, behindert wird man – von Gesetzen und von Treppen, von Sprache, von Gewohnheiten und von Unwissenheit. Ein Dossier über Vielfalt und das Ringen um Teilhabe.

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