Film über NS-Widerstand in Norwegen

Ein Held namens Haakon VII.

1940, nach dem Einmarsch der Wehrmacht: Das Drama „The King’s Choice“ erzählt, wie das Königshaus die Demokratie verteidigen will.

Ein Mann in Uniform steht vor einer Menschen, die in einem Saal auf Bänken sitzen

In Norwegen der erfolgreichste Kinofilm 2016 Foto: Paradox

Ein dunkel gekleideter alter Mann schleicht durch den Tiefschnee und reißt überraschend die Tür einer parkenden Limousine auf. Es ist der norwegische König Haakon VII., der mit seinen Enkeln Verstecken spielt. Doch die familiäre Idylle endet abrupt: Sein Sohn, Kronprinz Olav überrascht ihn mit der Nachricht von deutschen Kriegsschiffen vor der norwegischen Küste und drängt ihn zum Handeln.

Gefasster reagiert dessen Frau Märtha auf die militärische Bedrohung durch Nazi-Deutschland: Auf Nachfrage ihres Schwiegervaters formuliert sie in dieser Anfangsszene fast beiläufig, aber für den Film programmatisch den moralischen Anspruch für das spätere Handeln des Königs: „Wichtig ist, am Ende nicht auf der falschen Seite zu stehen.“

Visuell detailreich und in tableauartig komponierten Einstellungen erzählt der biografische Spielfilm „The King’s Choice“ („Kongens Nei“) von dem 1905 demokratisch gewählten König Haakon VII. und seiner historischen Schlüsselrolle für das skandinavische Land nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht am 9. April 1940. Denn anders als das von Haakons Bruder, König Christian X., angeführte Nachbarland Dänemark akzeptierte Norwegens Regierung die Bedingungen der Besatzung selbst nach dem Staatsstreich durch den faschistischen Kollaborateur Vidkun Quisling nicht kampflos.

Während das deutsche Militär bereits seinen Anspruch auf das norwegische Territorium geltend macht, versucht der diplomatische Gesandte Dr. Curt Bräuer – im Film dargestellt von Karl Markovics – unbeholfen und einflusslos am Parlament vorbei den norwegischen König zu einer taktischen Kooperation mit den Deutschen zu bewegen.

„Kongens Nei“ („The King’s Choice) 16. 2., 18 Uhr Zoo Palast 1 (E); 17. 2., 9 Uhr, CinemaxX 7 (E); 18. 2., 17 Uhr, Cubix 9; 19. 2. 18.30 Uhr, Zoo Palast 1

Das Nein des Königs beantwortend Hitler schließlich mit einem Luftangriff auf Norwegen. Auch wenn die dramatisch in Szene gesetzte Flucht der königlichen Familie und die verzweifelte Mobilmachung gegen die Deutschen zu einer pathetischen Widerstandseloge geraten, gelingt es „The King’s Choice“ dennoch mit den Mitteln des klassischen Erzählkinos diesem wenig bekannten Kapitel europäischer Geschichte über die Verteidigung der Demokratie Aufmerksamkeit und Aktualität zu verleihen. So wurde „The King’s Choice“ in Norwegen zum erfolgreichsten Kinofilm 2016.

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Vom 15. bis 25. Februar 2018 finden in Berlin die 68. Internationalen Filmfestspiele statt. Die taz ist dabei und berichtet täglich aus den Lichtspielhäusern und vom roten Teppich.

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