heute in hamburg

„Geldgeile Egomanen“

Lesung Im Roman „Aquariumtrinker“ kämpft der Protagonist gegen alte Strukturen des Reichtums

taz: Herr Kopmann, Blankenese kommt nicht besonders gut weg in Ihrem Roman. Was haben sie gegen den Stadtteil?

Mischa Kopmann: Gar nichts. Auch in Blankenese findet man wunderbare Menschen. Es ist zwar Schauplatz des Buchs, aber es ist kein in Stein gemeißelter Ort. Ich habe es mehr als Symbol für eine spezielle Klientel von Leuten genutzt, die man nun einmal nicht in Billstedt trifft.

Was für Menschen sind das?

Rücksicht- und verantwortungslose, geldgeile Egomanen. Menschen, die die Möglichkeit hätten, etwas zu verändern in dieser Republik, die sich seit Jahrzehnten vor sich hinschleppt und nach festgefahrenen, überholten Prinzipien funktioniert. In der aber ebendiese Menschen keinerlei Interesse daran haben etwas zu verändern.

Sind Sie selbst mal in diese Welt eingetaucht?

Mischa Kopmann

Foto: privat

48, der Autor studierte Germanistik und Amerikanistik. Geboren ist er in Celle. Er lebt in Hamburg.

Ja, mein ganzes Leben lang. Ich habe auch in den vergangenen Jahren mein Geld damit verdient, zu schreiben, aber nicht die Dinge, die ich schreiben wollte. Zum Beispiel habe ich für Filme geschrieben und da stand dann ganz schnell fest, dass alles diktiert ist von der Frage, ob sich etwas verkaufen lässt. Da wurde dann gesagt: So haben wir es immer gemacht, und wir haben immer schon recht gehabt.

Hat der Titel des Buchs auch etwas mit diesen Verhältnissen zu tun?

Auf den Begriff des „Aquariumtrinkers“ bin ich ursprünglich durch einen Songtext gestoßen. Das ist aber auch ein relativ gängiger Begriff im Amerikanischen. Es steht für eine Figur, die ein bisschen lächerlich und großmäulig ist. Der Hofnarr, der sich herausnimmt, Sachen zu sagen, die man normalerweise nicht sagen kann und somit anderen den Spiegel vorhält.

Handelt es sich dabei um den Protagonisten?

Ja, die Hauptfigur wird in den späten 60er-Jahren geboren und wächst mit einer ganzen Reihe an Vorstellungen und Idealen auf, die er in der wirklichen Welt nicht widergespiegelt findet. Daraufhin verwandeln sich seine Gefühle in Ohnmacht und Wut, und die Dinge geraten außer Kontrolle.

Geht Sie diese Geschichte auch persönlich etwas an?

Ja und nein. Natürlich gibt es Parallelen zu meinem Leben, aber es ist immer noch Fiktion. Da wiederum sind der Protagonist und ich uns sehr ähnlich: Wir haben beide wenig Interesse daran, die Realität eins zu eins abzubilden.

Interview muka

Lesung aus dem Roman „Aquariumtrinker“: 19.30 Uhr, Literaturhaus, Schwanenwik 38