Beleidung eines ORF-Moderators

FPÖ-Chef muss sich entschuldigen

Österreichs Vizekanzler Strache hatte behauptet, der ORF sei eine Fabrik für Fake News. Dafür muss er jetzt 10.000 Euro Entschädigung zahlen.

Strache fasst sich an die Stirn, im Hintergrund Kanzler Kurz

Ja, äh, war nicht so gut Foto: reuters

WIEN taz | Armin Wolf, den Anchorman des österreichischen Fernsehens (ORF), sollte man sich nicht zum Feind machen. Vor allem, wenn man fast täglich in den Medien vorkommt. Diese Erfahrung hat jetzt Österreichs Vizekanzler, der FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, gemacht. Nach einer außergerichtlichen Einigung muss Strache sich auf seiner Facebook-Seite und in mehreren Medien bei Armin Wolf öffentlich entschuldigen und die Behauptung zurücknehmen, der ORF sei eine Fabrik von Fake News. Die ausbedungene Entschädigung von 10.000 Euro will Wolf an das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) spenden.

Schon seit 2002 ist Armin Wolf Moderator des abendlichen Nachrichtenmagazins „ZiB 2“, des österreichischen Pendants zu den „Tagesthemen“ der ARD oder des „heute journal“ des ZDF. Der 51-jährige Tiroler ist bekannt für seine Live-Interviews, bei denen er Politiker nicht mit dem Absondern von heißer Luft davonkommen lässt und so lange nachhakt, bis er manchmal konstatiert: „Ich nehme zur Kenntnis, Sie wollen meine Frage nicht beantworten.“ Von Kollegen ob seiner Beharrlichkeit bewundert, von Politikern mehr gefürchtet als geliebt, hat sich Wolf eine Position geschaffen, die einer Unabsetzbarkeit gleichkommt. 2017 wählte ihn die europäische Ausgabe des Washingtoner Politikmagazins Politico auf Platz 11 einer Liste von 28 Persönlichkeiten, „die Europa im Jahr 2018 am meisten bewegen werden“.

Strache, dem wie vielen Rechtspopulisten der öffentlich-rechtliche Rundfunk ein Dorn im Auge ist, hatte dennoch versucht, sich mit Wolf anzulegen. Am Faschingsdienstag hatte der Vizekanzler gepostet: „Es gibt einen Ort, wo Lügen und Fake News zu Nachrichten werden. Das sind der ORF und das Facebook Profil von Armin Wolf.“ Illustriert wurde diese mit dem Hinweis „Satire“ versehene Behauptung mit einem Foto des angesprochenen Nachrichtensprechers. Wolf zog vor Gericht, denn Satire müsse ein Körnchen Wahrheit enthalten und dürfe nicht als Vorwand zur Verbreitung von Lügen dienen – und wies so den Vizekanzler in seine Schranken.

Es war nicht die erste Attacke von rechts. Schon dem Versuch von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, ihm nach Interventionen von ÖVP und FPÖ eine eigene Talkshow anzudienen und ihn so als Nachrichtenmoderator aus dem Verkehr zu ziehen, hatte er widerstanden.

Wolf hat aber auch in der eigenen Zunft Kritiker. Christian Mucha, Herausgeber des Medienmagazins Extradienst, warf ihm „überheblichen Journalismus“ und „Parteilichkeit“ vor. Denn er lege seine Interviews so an, dass er jemanden gut oder schlecht dastehen lasse. Für den Medienpsychologen Peter Vitouch betreibt Wolf „destruktiven Journalismus“. Politiker stünden bei ihm unter „Generalverdacht“.

Armin Wolf steht lächelnd hinter zwei Mikrofonen

Hat gut Lachen: Armin Wolf (Archivbild 2016) Foto: dpa

Die Ikonisierung des Armin Wolf begann 2006 mit seiner Dankesrede anlässlich der Verleihung des Robert-Hochner-Preises für politische Berichterstattung. Unverhohlen kritisierte er den unerträglichen Zugriff der damals mit der FPÖ regierenden ÖVP auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und wurde mit Standing Ovations belohnt. Kurz darauf wurde die ÖVP-nahe ORF-Führung abgelöst.

Armin Wolf war auch einer der ersten prominenten Journalisten, die die sozialen Medien aktiv nutzten. Seit 2009 twittert er und erlaubt sich dabei politische Meinungen, die er im Fernsehen nicht äußern dürfte. Für ihn ist „ein Redakteur, der keinen Twitter-Account hat und das nicht zumindest als Recherche-Quelle benutzt, so wie ein Journalist ohne Handy“.

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