LESERINNENBRIEFE

Höchst problematisch

■ betr.: „Streit über Uni-Ranking“, taz vom 12. 10. 12

Der zunehmenden methodischen sowie inhaltlichen Kritik an Aktivitäten der Bertelsmann Stiftung kann ich mich anschließen. Kritik wird ja nicht nur an dem Hochschulpolitikprojekt CHE (ausgerechnet!) geübt, sondern zum Beispiel auch an „smart media“.

Meine Kritik richtet sich an den sogenannten Bertelsmann Transformation Index (BTI), mit dem die Stiftung hervorzuheben versucht, was Good Governance sei und wer das denn weltweit am besten betreibe. Damit hat der sich aus einem Bereich der (Betriebs-)Wirtschaftswissenschaften durchsetzende Trend zu Rankings auch das „Politikmanagement“ erreicht. Das ist höchst problematisch, denn jenseits eines eher sportlichen Reizes, dem die Männer des BTI-Boards frönen mögen, sind politische Prozesse meines Erachtens kaum in ihrer jeweiligen Qualität miteinander zu vergleichen. Gleichwohl werden mit dem BTI griffige Zahlen und Hitparaden hergestellt, die sich von bestimmten Eliten oder Pressure-Groups wunderbar nutzen lassen. Die Menschheit soll im Wettbewerb in Richtung des Bertelsmann’schen Siegerpodests eilen, die Richtung des „survival of the fittest“, wird von den (bisherigen) Siegern an „die da unten“ signalisiert. Die schicke Medizin verdeckt eine anonyme Hegemonialmatrix und versucht deren Internalisierung in den Akteuren. Äußerst problematisch scheint mir die Bertelsmannsche Zielvorgabe: Der BTI untersucht demnach „die politische Gestaltung des Wandels auf dem Weg zu marktwirtschaftlicher Demokratie“. Basalkonzepte wie Kapitalismus, Industriesystem, Sozialismus oder Nachhaltigkeit gibt es nun nicht mehr. Zudem halte ich es für eine Anmaßung, dass ausgerechnet ein nicht gerade nach demokratischen Prinzipien geführter Konzern (bzw. dessen Personal) hochkomplexen Gesellschaften und Staaten anderer Kulturen wohlfeile Ratschläge zur Transformation gibt! Das ist eine bedenkliche Umkehrung demokratischer Prinzipien. Nun ist es eine Sache, Ressourcen eines Konzerns für die Erschließung großer (Zukunfts-)Märkte („marktwirtschaftlicher Demokratie“) zu verausgaben; brisant wird es aber dann, wenn dies mit dem Mäntelchen wissenschaftlicher Expertise geschieht. EDGAR GÖLL, Berlin

Die Bluffer von heute

■ betr.: „Die hohe Kunst des gelehrten Schwachsinns“, taz vom 12. 10. 12

Herzhaft gelacht habe ich, als ich den Beitrag las. Ich habe in den 1970er Jahren Pädagogik und Theologie studiert, später noch mal ein Journalistikstudium draufgelegt. Nun, fast 60, habe ich mich noch mal für Philosophie eingeschrieben. Erst kürzlich habe ich mich über die Studenten von heute amüsiert: Mir sind diese „blasierte Coolness“ und das fehlende Brennen für ein Fach und seine Themen nämlich auch aufgefallen. Die Bluffer von heute lobten wir früher mit den Worten, sie hätten eine ausgeprägte Inkompetenzkompensationskompetenz. GERHARD OTT, Flensburg

„Von Hand gebacken“

■ betr.: „Der Frühaufsteher“, taz vom 13. 10. 12

Toller Artikel über das Backhandwerk. Ich empfinde das Schwinden der von Hand backenden Bäckereien als einen großen Verlust und ertappe mich selbst manchmal dabei, mich schon beinahe an die Pappbrötchen der Discountbäcker gewöhnt zu haben. Dass die Arbeitsbedingungen der Bäcker unattraktiv sind, ist mir bewusst, jedoch fände ich in unserer Welt der Siegel und der Konsumentenverantwortung ein markantes Siegel „von Hand gebacken“ oder Ähnliches sehr hilfreich, um das Auffinden der tapferen Streiter für das Backhandwerk zu erleichtern. RAPHAEL LUTZ, Berlin