Eine
Vaterfigur

Magnus Hirschfeld war Mitbegründer und prominenteste Figur der deutschen LGBTI*-Bewegung. Zu seinem 150. Geburtstag wird er mit einem Festakt und einem Veranstaltungsjahr gewürdigt. Was bedeutet der Sexualforscher Aktivist*innen heute noch?

Magnus Hirschfeld, um 1930, digital koloriert Foto: akg images

„Ohne ihn gäbe es fast nichts von dem, was unsere Szene am Leben hält“

Christiane Härdel Medizinerin, einst Aktivistin im Lesbischen Aktionszentrum Berlin, heute Ehrenamtlerin im Schwulen Museum* sowie im Vorstand des Freund*innenkreis für ein Queeres Kulturhaus – Elberskirchen-Hirschfeld-Haus in Berlin

„Ein Vorreiter, ein tragischer Mann, ein guter Beobachter“

Michael Rädel Mitherausgeber der Magazine der „Blu“-Mediengruppe in Berlin

„Er ist für mich, auch wenn das kitschig klingen mag, die Vaterfigur dessen, was die queere Freiheit in Berlin betrifft“

Lily Kreuzer Transgender

„Je länger ich mich mit Magnus Hirschfeld beschäftige, desto mehr Respekt flößt er mir ein: Hirschfeld hat mit Glauben und Vorurteilen aufgeräumt und stattdessen wissenschaftliche Fakten geliefert. Seine Lehre von den sexuellen Zwischenstufen finde ich bahnbrechend, und sie ist aktueller denn je: Die emanzipatorische und wissenschaftliche Leistung, die körperlich-geschlechtliche Beschaffenheit des Einzelnen und die damit verbundenen gesellschaftlichen Normen von Begriffen wie Begehren und der rein biologistischen Sicht der Fortpflanzung zu trennen und damit neue Betrachtungen und Entfaltungsmöglichkeiten zuzulassen, das hat den Weg für die Emanzipation bereitet“

Christian Knuth Journalist und Aktivist

„Er war eben nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Aktivist und Netzwerker, wie man heute sagen würde. Vor allem aber hat er begriffen, dass es einen Kulturkampf zu gewinnen gilt“

Dirk Sander Referent für schwule Sexualität bei der Deutschen Aids-Hilfe

„Die heutige LGBTI*-Bewegung ist nicht mehr auf Hirschfeld und sein Werk bezogen. Mir bedeutet Magnus Hirschfeld sehr viel, aber eben im Kontext der geschichtlichen Bewegung“

Johannes Kram Autor, aktuell mit einem Stück über Karl Marx in Trier unterwegs, Buchautor und Blogger

„Er war ein Pionier, sein Lebenswerk ein historischer Bezugspunkt, ein Mensch, den ich bewundere. Er hat mit höchstem persönlichen Einsatz und Engagement für uns den Weg gebahnt. Querschüsse aus dem Gender-Lager, die versuchen, die Errungenschaften von Magnus Hirschfeld wegen seiner Äußerungen zur Eugenik zu relativieren, sind aus Mangel an historischem Bezug schärfstens zurückzuweisen. Ich freue mich und bin stolz darauf, dass wir in Hirschfelds und Johanna Elberfelds Tradition ein queeres Bildungs-, Begegnungs- und Forschungshaus der bewahrenden Erinnerungen errichten“

Manuela Kay Aktivistin u. a. für lesbische Sichtbarkeit, Verlegerin u. a. der queeren Magazine Siegessäule und der l.mag sowie Kuratorin des „PornFilmFestivals“ in Berlin
Jörg Litwinschuh Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld

„Magnus Hirschfeld ist ein Vorbild, ein mutiger Pionier und jemand, den ich sehr gern gekannt hätte. Er muss sehr charismatisch und klug und auch ein bisschen schrullig gewesen sein. Wir als Community und damit auch ich haben ihm und seinen Mitstreiter/innen sehr viel zu verdanken“