Proteste gegen AfD-Parteitag in Augsburg

Gemeinsam gegen Rechts

Dutzende Organisationen haben am Samstag zum Anti-AfD-Protest in Augsburg aufgerufen. 5.000 Menschen demonstieren gegen die Rechtspopulisten.

Demonstrant*innen bei einer Anti-AfD-Demo halten Schilder mit einem durchgestrichenen AfD-Schriftzug und einem „No“ mit Hitlerfrisur und -bart in die Höhe

Kein Platz für Rechte: Bei der Anti-AfD-Demo in Augsburg Foto: reuters

AUGSBURG taz | Ein offenbar spät entschlossener Demonstrant geht auf dem Augsburger Moritzplatz von einem Stand zum nächsten und fragt hektisch: „Wo gibt es die Fuck-AfD-Aufkleber? Oder irgendetwas anderes gegen die AfD?“ Verschiedene Initiativen haben hier Info- und Aktionsmaterial zum Protest gegen den AfD-Parteitag aufgebaut.

Am Stand der Jugendverbände der Gemeinschaft Christlichen Lebens wird der Mann jedenfalls nicht fündig. Dort verteilen Jasmin und Lucia, zwei junge Frauen, Rosen an die Menschen im Demonstrationszug, der sich gerade mit Pauken, Tröten und Pfeifen lautstark über den Platz wälzt. Wer möchte, kann mit Farbe seinen Fingerabdruck auf ein Papier pressen oder auf einer Tafel etwas schreiben: „Unser Land ist bunt, wenn …“ Jemand hat den Satz vollendet mit: „…die Grenze nicht im Kopf beginnt.“

Dutzende Organisationen haben an diesem Samstag zum großen Anti-AfD-Protest in Augsburg aufgerufen, wenn die Rechtspopulisten im Süden der Stadt in der Messehalle ihren Bundesparteitag abhalten. Geschätzte 5.000 Menschen sind an dem Tag in der Stadt aktiv gegen die AfD. Das ist hier nicht wenig.

Ein Demonstrationszug beginnt im Norden am Eisstadion. „Kein Platz für Nazis“, heißt es auf den Transparenten, und: „Unsere Alternative ist bunt“. Die „FCA-Fans gegen rechts“ sind dabei, eine Frau hat sich ganz in eine blaue Europa-Fahne eingehüllt.

Demonstrant*innen halten in Augsburg bunte Schilder gegen die AfD hoch, unter anderem mit dem Slogan „Augsburg feiert Diversität“

Augsburg feiert Diversität – ganz besonders an diesem sonnigen Samstag beim Protest gegen die AfD Foto: reuters

Zwischenstopp am Stadttheater. Intendant André Bücker steht in blauem Hemd und ausgebeulter Jeans am Mikrophon auf dem Platz vor seinem Haus. Die AfD sei „anti-demokratisch und anti-aufklärerisch“, ruft er. Allein schon ihre Sprache „führt direkt in die Gewalt“. Ein Schauspieler rezitiert: „Andauernd denkt man im Leben über zwei Dinge nach: über die Liebe und über den Faschismus.“

Niemand in Haft genommen

Trubelig und gut gelaunt geht es an diesem Sonnentag bei den Demonstranten in der Innenstadt zu, die Polizei hält sich im Hintergrund. An vielen Stellen ist der Slogan geschrieben: „Zeig Solidarität, Herz und Toleranz“. Jede Menge vor allem junge Leute tragen T-Shirts mit dem Aufdruck: „Zeig Herz, Aux“. Außerhalb des Demonstrationsgeschehens leben viele Bürger samstägliche Gelassenheit, sitzen in den Cafés, kaufen auf dem Markt Obst und Gemüse ein. Von Demo-Stress, vom zuvor beschriebenen Ausnahmezustand keine Spur. Schwarze Blöcke werden nicht gesichtet.

Demonstrant*innen holen sich Wasser aus einem Feuerwehrschlauch

Viel Trinken ist nötig – denn dieser Samstag war sehr sonnig und warm Foto: reuters

Mitunter etwas angespannter war es am Morgen beim anderen Demonstrationszug, der sich direkt an der Messe beim AfD-Parteitag versammelt hatte. Mit Stacheldraht ist die Halle umzäunt, sie gleicht einer Festung. Einige Dutzend Gegner versuchten, die Barrikaden zu überwinden. Die Polizei setzte Pfefferspray ein, es gab zwei leicht Verletzte. 20 Platzverweise wurden erteilt, aber bis zum Nachmittag niemand in Haft genommen.

Die verschiedenen Demonstrationen vereinen sich am Nachmittag mit deutlicher Verspätung auf dem zentralen Rathausplatz zur mehrstündigen Kundgebung. Auf der großen Bühne machen die Bands Soundcheck, die AfD-Gegner sitzen teils recht erschöpft auf dem Boden und trinken viel Wasser. Später sprechen dort Juso-Chef Kevin Kühnert, die Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) – und auch der Augsburger CSU-Oberbürgermeister Kurt Gribl.

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