Protest gegen Innenminister Seehofer

„Moabit hilft“ lehnt Nominierung ab

Der für den Deutschen Nachbarschaftspreis vorgeschlagene Berliner Verein „Moabit hilft“ lehnt die Nominierung ab – weil Horst Seehofer Schirmherr ist.

Ehrenamtliche der Initiative „Moabit hilft“ versorgen Flüchtlinge mit Essen auf dem Gelände des Landesamts für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) in Berlin

Haben Geflüchteten am LaGeSo in Berlin geholfen: Ehrenamtliche von „Moabit hilft“ Foto: dpa

BERLIN/KÖLN epd/dpa | Der für den Deutschen Nachbarschaftspreis vorgeschlagene Berliner Verein „Moabit hilft“ lehnt seine Nominierung wegen der Schirmherrschaft von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) ab. Die Nebenan-Stiftung, die den Preis vergibt, bedauere den Schritt, respektiere aber die Entscheidung, sagte der Geschäftsführer der Stiftung, Michael Vollmann, dem Evangelischen Pressedienst und bestätigte damit einen Bericht der Berliner Zeitung.

Demnach begründet der Berliner Flüchtlingshilfe-Verein seine Absage mit Aussagen Seehofers in der Asylpolitik. Beispielhaft genannt werden die Aussage, er wolle sich „bis zur letzten Patrone“ gegen Zuwanderung in deutsche Sozialsysteme wehren, und die Äußerung zur Abschiebung von 69 Afghanen, die der CSU-Politiker in einen Zusammenhang stellte mit seinem zeitgleichen 69. Geburtstag. Der Verein könne es mit seinen Ansichten nicht vereinbaren, unter einem Schirm zu stehen, dessen Schirmherr Seehofer sei, heißt es dem Zeitungsbericht zufolge in einer Erklärung.

Geschäftsführer Vollmann sagte dem Evangelischen Pressedienst, die Stiftung wolle an einer inhaltlichen Zusammenarbeit mit dem Bundesinnenministerium festhalten. Dass Seehofer Schirmherr ist, sähen auch andere nominierte Initiativen kritisch. Man könne sich die Hausleitung aber nicht aussuchen. Zudem sei Dialog wichtig, sagte Vollmann. Das Bundesinnenministerium ist auch in der Jury des Preises vertreten. Zu den Kooperationspartnern zählen zudem private Unternehmen, die Deutsche Fernsehlotterie und der Sozialverband Diakonie.

Für eine bessere Situation von Geflüchteten

Auch ein Verein aus Köln, dessen Projekt „Kasimir“ kostenfrei Lastenräder in der Stadt verleiht, hat seine Bewerbung zurückgezogen. Die Entscheidung hätten sie vor einigen Tagen gefasst, sagte ein Sprecher aus Nordrhein-Westfalen am Wochenende. Aus ihrer Sicht sei in letzter Zeit ein politischer Konsens aufgekündigt worden: „Das ist nicht unsere Form von Nachbarschaft. Wir wollen nicht, dass so eine Spaltung der Gesellschaft betrieben wird.“

Der Deutsche Nachbarschaftspreis wurde 2017 ins Leben gerufen und soll am 28. August zum zweiten Mal verliehen werden. Nominiert wurden – inklusive dem Berliner Verein – 104 Projekte aus allen Bundesländern, von denen drei Bundessieger und 13 Landessieger ausgezeichnet werden sollen.

Vergeben wird zudem ein mit 5.000 Euro dotierter Publikumspreis. Der Nachbarschaftspreis ist mit insgesamt 50.000 Euro dotiert. Ob nach der Absage des Berliner Vereins eine andere Initiative nachnominiert wird, wird Vollmann zufolge noch diskutiert. Um den Preis hatten sich nach Angaben der Stiftung mehr als 1.000 Initiativen beworben.

Mit dem Preis werden Projekte geehrt, die sich vor Ort für mehr Integration und Inklusion, für die Bewältigung des demografischen Wandels und gegen Abwanderung aus dem ländlichen Raum einsetzen. „Moabit hilft“ begleitet Asylsuchende unter anderem bei Behördengängen und Arztbesuchen, bietet Deutschunterricht an und hilft bei der Wohnungssuche. Darüber hinaus versteht sich der Verein als Lobby-Initiative und setzt sich auch mit politischen Aktionen für eine bessere Situation von Geflüchteten ein.

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Weltweit sind mehr als 60 Millionen Menschen auf der Flucht vor Kriegen, Verfolgung und Armut. Im Mittelmeer sterben Zehntausende. Und die EU setzt auf Abschottung.

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