Krise des DFB

Dreck zu Gold

Eine PR-Agentur soll das Image des DFB retten. Die Zeit drängt: Im September wird über den Austragungsort für die EM 2024 entschieden.

Oliver Bierhoff macht auf dem Rasen eine Turnübung

Zurechtbiegen möchte der DFB noch schnell alles. Team-Manager Bierhoff macht's vor Foto: dpa

Am Ende kommt dann wahrscheinlich noch McKinsey. Die berüchtigte Aufräumfirma rückt ja immer dann in einen Betrieb ein, wenn sonst nichts mehr hilft. Aber noch ist es nicht soweit. Man will es beim DFB mit anderen Mitteln probieren. Neben Beer-Yoga auf dem Dach der Zentrale sollen sich jetzt PR-Agenturen um das angekratzte Image des Deutschen Fußball-Bundes kümmern – schließlich liegt da so einiges im Argen.

Sie wissen schon: das Ö und das Präsidentenfoto, der Totalausfall beim Krisenmanagement, das legendäre Vorrundenaus bei der WM in Russland, der angeschossene Präsident, der nicht minder angeschossene Manager, all das.

Wie die FAZ meldet, hat der DFB eine Agentur für Krisen-PR angeheuert, die sonst Großkonzerne oder Topmanager berät – um „auch den externen Blick in den Umgang (…) einfließen zu lassen“, sagt der DFB. Hering Schuppener heißt der Laden. Diese Hochglanzbude in Sachen PR wird schon von VW prächtig bezahlt, die kennen sich also tatsächlich aus mit Unternehmen, deren Karren so richtig im Dreck steckt. Aus diesem Dreck soll jetzt also möglichst fix Gold gemacht werden.

Ob dabei aber mehr herausspringt als Ergebniskosmetik? Die Zeit drängt: Die Entscheidung, wer die EM 2024 austrägt, steht bereits im September an. Deutschland oder die Türkei! Am Stuhl des DFB-Präsidenten Grindel wird derweil genauso munter gesägt wie an dem des BWL-geschulten Manager/Sportdirektors Oliver Bierhoff. Sogar von den eigenen Angestellten. Da hilft auch kein Yoga.

Bisher beratungsbefreit

Ein bisschen kennt sich der DFB ja aus mit Krisen. Der Verband war schon öfter mal unten, ganz unten. 2000 musste man das Post-Daum-Dilemma (Stichwort: Haarprobe) und die verkorkste EM (auch mit Vorrundenaus) managen. Chef der extra eingerichteten Task Force damals: Karl-Heinz Rummenigge. Genau der, der sich jetzt als DFB-Chefkritiker in Postion bringt, via Springerpresse dem noch amtierenden DFB-Chef Populismus unterstellt und dem Ex-Nationalspieler Mesut Özil noch einmal volle Breitseite gibt.

Mit Rassismus habe die ganze Diskussion nämlich nichts zu tun, sagte der Vorstandschef des FC Bayern zur Sport Bild. „Bitte: Er ist doch nicht kritisiert worden, weil er türkischer Abstammung ist. Das ist eine Fabel, die von seinen Beratern erzählt wird“, so Rummenigge, völlig beratungsbefreit.

Ein bisschen kennt sich der DFB ja aus mit Krisen. Der Verband war schon öfter mal ganz unten

Derweil schweigt der Bundesjogi bis zum ersten Bundesligaspieltag, wohl auch, um dann nicht so viel Aufmerksamkeit zu bekommen – denn die Rätsel um das schwache Auftreten der „Mannschaft“ bei der WM sind ja noch immer ungelöst.

Lag es allein an Erdoğan? Oder am Weltmeisterfluch? An der falschen Unterkunft (sowjetische Jugendherberge statt luxuriöser Ferieninsel, böser Bierhoff!)? Oder doch auch am Kader? Am Kampf Jung gegen Alt, bei dem sich leider Alt durchgesetzt hat? Oder ist das Daddelspiel Fortnite schuld, dass den Spielern die Nächte raubte?

Und was macht eigentlich Mario Gomez? Oder, sagen wir, Sami Khedira? Kann doch nicht sein, dass Özil der einzige bleibt, der Verantwortung trägt und zurücktritt, oder?

Dem DFB ist unterdessen nicht mehr wirklich zu helfen, da braucht es schon mehr als eine PR-Agentur. Der Verband gibt sich uneinsichtig, ist strukturkonservativ und unbeweglich – und steckt andererseits wie alle Beteiligten knietief im Dilemma des Weltfußballs: Fernseh- und Schmiergelder, Kooperation mit Autokraten und Oligarchen. Korruption und Lügen, wenn Schweigen allein nicht mehr geht. Ob die EM 2024 da in Deutschland oder der Türkei stattfindet, macht da fast keinen Unterschied.

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schreibt für die taz gern über Sport, Theater, Musik, Alltag, manchmal auch Politik, oft auch Literatur, und schreibt letzteres auch gern einmal selbst.

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