Jörn KabischAngezapft

Friedensbier fürs Rheinland

Dieses Bier soll ein Akt der Völkerverständigung sein. Der rheinischen nämlich. Bekanntermaßen verbindet Kölner und Düsseldorfer eine herzliche Abneigung gegeneinander, und nichts trennt die Städte so sehr wie ihre Trinkgewohnheiten. Im Süden ist es das helle Kölsch, 40 Kilometer nördlich dunkles Alt, wofür die Herzen schlagen.

Wie wäre es, ein Bier zu brauen, das beide Städte versöhnt? Das dachten sich zwei junge Designer, Hans Berlin und Matthias Ross, machten sich auf die Suche nach einem Brauer und starteten erfolgreich eine Crowdfunding-Kampagne. Auch ein Name für das Friedensbier war schnell gefunden: Költ.

Genauso stimmig ist die Adresse, die Ross und Berlin für ihr Brauprojekt auswählten. Monheim am Rhein liegt in der geografischen Mitte zwischen Köln und Düsseldorf und ist die historische Grenzstadt von Kölsch und Alt. Bis zur Jahrtausendwende wurden hier in der Privatbrauerei Peters beide Bierstile gebraut. Erzählt man davon heute in der Region, stößt man auf Unglauben. Doch Peters gehörte dank seiner langen Tradition zu den wenigen nicht in Köln ansässigen Brauereien, die offiziell Kölsch machen durften. 2004 wurde die Braustätte aufgegeben. Nur als Kölsch-Marke ist Peters, heute zu Radeberger gehörend, noch präsent.

Die äußeren Bedingungen stimmten also, wie aber sieht es mit dem Bier selbst aus? Würde man etwas Neues, Eigenständiges kreieren? Oder würde Költ ein Mittelding, um die beiden Städte zu versöhnen – was sich auch insofern anbietet, dass Kölsch und Alt obergärige Biere sind, der Brauprozess also derselbe ist. Geschmacklich unterscheiden sich die beiden Bierstile allerdings sehr: Das Kölsch ist ein weiches, helles Bier, anfangs spritzig und etwas hefig, das sich schnell in eine herbsüße, manchmal leicht marzipanige Angelegenheit verwandelt. Das Alt dagegen ist malzig und würzig, die anfängliche Süße wird vom Hopfen aufgefangen.

Die Költ-Macher haben sich konsequent für das Mittelding entschieden, leider. Das Bier – das inzwischen übrigens nicht mehr in Monheim, sondern in Krefeld und damit auf Altbier-Territorium gebraut wird – ist nicht ganz so dunkel wie ein Alt und auch nicht so hell wie ein Kölsch, darauf thront aber eine relativ stabile schmale Krone wie man sie vom Kölsch kennt. Es beginnt leicht würzig, der Geruch ist etwas getreidig, den Geschmack aber dominiert eine sehr lebhafte Kohlensäure, die das Bier ins Mineralische zieht, bis eine blanke, fast neutralisierende Bitterkeit den Mund füllt.

Költ, Költ GmbH, 5 Vol.-%

Das schmeckt kompromisslerisch und beweist mir vor allem: Herzliche Abneigung erzeugt doch öfter auch was Gutes.