LONDON EYE

Angeln und Sex = Glück

VON DANIEL ZYLBERSZTAJN

Die Londoner sind sich fast alle einig: Die letzten zwei Wochen waren eine gute Zeit. Sie wünschen sich, dass das ab jetzt immer so wäre. Sie fragen sich, was zu tun sei, um dieses Glücksgefühl aufrechtzuerhalten, obwohl sie der Londoner Psychologin Rachel zufolge eher misanthropisch sind.

Richard hat einen Vorschlag: „Am besten nie mehr Daily Mail, die Zeitung des negativen Volkspessimismus!“ Jason und Lora plädieren wie viele andere auch für weitere gemeinsame Feste. „Was man gemeinsam erlebt hat, verbindet!“ Deshalb werden sie in einigen Wochen zum Notting-Hill-Karneval gehen.“ Danach kommen noch die Paralympics, und dann ist auch schon wieder Weihnachten, meint Jason.

Joshua will, dass es „Londoner Botschafter“ auch weiterhin in der britischen Hauptstadt gibt. „Sie helfen allen, insbesondere denen, die hier neu sind.“ Tracey, 47, findet jedoch, dass man ruhig ein paar Leute für diese Arbeit bezahlen könnte, auch das mache glücklicher.

Liz, 64, war eine freiwillige Olympiahelferin. Sie empfiehlt, dass sich Leute anlächeln sollten, anstatt in der U-Bahn auf ihre Füße zu starren. Was die U-Bahn betrifft, sollte man hier weiter investieren, meint Gillian. Es mache das Londoner Leben unbeschwerter, wenn man sich auf U-Bahn-Verbindungen verlassen könne.

Ihr Freund Gerard erwähnt die Arbeit von zu Hause aus. Jetzt gebe es den Beweis, dass Londoner Angestellte selbstständig von zu Hause arbeiten können. Dadurch würde der Verkehr beruhigt und Straßen angenehm leerer.

Ruhige Straßen will auch die Krankenpflegerin Susan. „London müsste eine Fahrradstadt wie Amsterdam werden“, sagt Susan. Sie habe aus eigener Erfahrung am Steuer gelernt, dass Autofahren in London aggressiv statt glücklich macht.

Michael ist da anderer Ansicht. Nur diejenigen blieben glücklich, die sich von den offiziellen Olympiastatistiken beeindrucken ließen. „Ich glaube, die Leute verstehen einfach nicht, was 9 Milliarden Pfund bedeuten. Solange sie das nicht begreifen, bleiben sie glücklich.“

Bajram hat es schon vor drei Wochen verstanden. Der 47-jährige Restaurantbetreiber will nach 20 Jahren in London auswandern. Die Olympischen Spiele hätten ihn ruiniert.

Da singt einer das Lied von der Schlussfeier: John. Er lebt seit 33 Jahren mit diesem Lied und überlebte bereits die Thatcher-Jahre. „Für mich ist es ganz einfach, in London glücklich zu bleiben! Angeln und Sex!“ Und, versichert der 76-jährige Londoner, dafür sei es nie zu spät! „Always look on the bright side of life!“