Der Lack ist wieder dran

BÜRGERMUSEUM Nach vierjähriger Schließung eröffnet Braunschweigs Städtisches Museum neu

„Braunschweiger Lackkunst“, kündete ein großes Transparent einst den Ausstellungsklassiker im Städtischen Museum an. Und es soll Besucher gegeben haben, die statt „Lack-“, „Lachkunst“ lasen und mit gewisser Enttäuschung das Haus nach dem Museumsrundgang wieder verließen: Es erwarteten sie nämlich nur Pappmaschee-Schachteln und Dosen der herzöglich privilegierten Manufaktur Stobwasser, zwar mit kunstvoller Lackarbeit dekoriert, jedoch in knochentrockener Sammlungsschau. Kurzum: Dem Museum schwanden irgendwann die Besucher, die Präsentation war antiquiert, der Umbau aus den 1970ern mit seiner Flächenmaximierung und dem Teppichbodencharme keine Schönheit.

Das wird nun alles anders: Am Sonntag öffnet nach vierjähriger Schließung und Umbauzeit das Städtische Museum wieder, die Baukosten beliefen sich auf 8,2 Millionen Euro. Das architektonische Konzept, nämlich eine weitgehende Rückführung auf die bauzeitliche Substanz des 1906 eröffneten Hauses, irgendwo zwischen neobarockem Historismus und vagem Jugendstil verortet, ließ im traditionsversessenen Geistesklima Braunschweigs nichts Gutes erwarten, die zweijährige Vakanz der Museumsleitung ohnehin nicht.

Aber im April 2010 trat Cecilie Hollberg als resolute neue Leiterin an, sie war am Landesmuseum Hannover, davor in Leipzig, Dresden, Magdeburg. Sie kam mitten ins Umbauchaos – und sie drang tiefer ein ins alte Gemäuer, als manchem vielleicht lieb war. Sie ließ originale Fliesenböden freilegen und lediglich gebrauchstüchtig anflicken, griff Reste der historistischen Wandbemalungen für eine neue, intensive Farbfassung der Schauräume auf, und sie vertrieb den mentalen Muff aus der Institution, der wohl schwerer wog als alle bauliche Unzulänglichkeit.

Der freigeräumte Lichthof bleibt zukünftig Sonderveranstaltungen vorbehalten, eine neue Dauerausstellung repräsentiert nun alle kulturgeschichtlichen Sammlungsbereiche des Hauses. Aus 270.000 Sammlungsstücken kommen 1.500 zur Aufstellung, auch Exponate und Kuriositäten aus völkerkundlichen Laien-Sammlungen Braunschweiger Bürger, die jahrzehntelang im Depot schlummerten. Ebenso die legendäre, 5.500 Stücke umfassende Formsammlung, ein Querschnitt durchs Gebrauchsgut von der römischen Öllampe bis zu Wagenfeld-Klassikern.

Trotz internationalem Ruf war auch sie jahrelang eingelagert, ein Opfer der kommunalen Privatisierungsideologie: Ihr vorheriger Standort, eine Villa, wurde aus städtischem Besitz veräußert. Nun ist zumindest ein Teil der Objekte wieder gebührend gewürdigt.

„Ein Haus der Bürger für die Bürger“, ist Hollbergs Anliegen, alle Exponate entstammen ja privaten oder bürgerschaftlichen Sammlungen und Schenkungen. Einen Saal, Porträts gewidmet, ließ Hollberg gar, hälftig geteilt, im Komplementärkontrast Rot-Grün fassen. Hier stehen sich nun Adelsporträts und bürgerliche Antlitze vis-à-vis, auf Augenhöhe. Eine erfrischende Position gegen einen sinisteren Neofeudalismus, der viele Braunschweiger Köpfe und Institutionen umnebelt.