Prioritäten setzen

ExpertInnen informieren über Burn-out

taz: Gibt es denn tatsächlich mehr ausgebrannte Menschen als früher, Herr Husmann?

Björn Husmann: Vermutlich ja, aber ganz sicher lässt sich das nicht sagen. Was auf jeden Fall zunimmt, das sind die Krankheitstage und Frühberentungen aus psychischen Gründen.

Wie viele Menschen in Bremen sind denn betroffen?

Auch das ist schwer zu beziffern. In den Niederlanden sollen es vier bis sieben Prozent der Berufstätigen sein, 16 Prozent gelten dort als gefährdet und zehn Prozent zumindest als erschöpft.

Wann spricht man denn im klinischen Sinne von Burn-out?

Es gibt drei Leitsymptome: Zunächst neben der körperlichen natürlich die seelische Erschöpfung, die sich etwa durch abnehmendes Mitgefühl zeigt. Sodann die Entfremdung: Die Leute ziehen sich zurück, werden zynisch, haben wenig Gefühl für sich selbst. Und schließlich trauen sie sich immer weniger zu, verzweifeln, was bis hin zur Depression führen kann. Burn-out ist ein Prozess, der verschiedene Phasen durchläuft. Es ist aber keine offiziell anerkannte Krankheit.

Wie kann man dem Burn-out entgegenwirken?

Indem man ein Entspannungsverfahren erlernt, die eignen Kraftquellen nutzt, Beziehungen klärt und Prioritäten setzt. Oft hilft auch ein Präventionskurs. Wer erschöpft ist, braucht nicht unbedingt eine klassische Therapie. Wenn sich ein Grauschleier auf die Seele legt, sollte man aber einen Fachmann aufsuchen.INTERVIEW: JAN ZIER

Infotag: 16 Uhr, Schwachhauser Heerstraße 26/28