Unterwegs im Outback: Im Wilden Westen von Australien

Der Great Northern Highway verbindet Australiens Küstenstädte mit Gold- und Eisenerzminen. Entlang der Strecke: proletarisch geprägte Männerwelten.

Luftbild eines Highways

Der Great Northern Highway zwischen Halls Creek und Fitzroy Crossing Foto: Richard Wainwright/imago

Das australische Outback ist vielleicht der glaubhafteste Wilde Westen, der bis heute existiert. Mit dem Leihcamper fahren wir durch die endlose Buschlandschaft in Western Australia, über den Great Nor­thern Highway, auf dem uns Känguruleichen und Trucks begegnen. Alle hundert Kilometer taucht eine Siedlung auf, oft ein Roadhouse, wie die grillfleischlastigen Raststätten heißen, und eine Tankstelle mit ein paar temporären Baracken.

Essen und Benzin, die wichtigsten Güter hier. Hat ein Ort tatsächlich Ein­woh­ner:in­nen, haben die Läden eine archaische Optik: Handelsposten, eine Telegrafenstation aus dem 19. Jahrhundert, ein winziges Kino mit handbemaltem Schild und Internetcafés, so wie in den 2000ern.

Die einsame Straße erfüllt nur einen Zweck: Sie verbindet die zahllosen Minen mit den Küstenstädten. Goldminen, Eisenerzminen, Kohleminen, vielfach leben die Arbeiter im Fly-in-fly-out-Modus: In Mehrwochenschichten, wie auf einem Schiff. Der Region gibt das eine eigenwillige Atmosphäre. In den Roadhouses begegnen wir fast nur Truckern und Minenarbeitern, die Orte behalten einen Hauch von Goldrausch. Kleine Siedlungen als reine Männerwelt, bis auf die Frauen hinter der Bar, oft junge Migrantinnen. Dass der gerade in den USA gestartete Film „The Royal Hotel“ dieses Szenario zu einem sexismuskritischen Horrorfilm verarbeitet, hat eine Grundlage. Gleichzeitig bieten die Gesprächsfetzen der Männer einen Zugang in ein proletarisches Australien.

Indigene Communitys sind weniger sichtbar. Oft liegen sie am Ende staubiger Pisten weit weg vom Highway, teilweise durch Zugangsscheine vor rassistischer Neugierde geschützt. Ausnahmen gibt es. Mount Magnet hat einen hohen indigenen Bevölkerungsanteil. Achtzig Prozent seien es, erklärt die Frau im indigenen Kunstcenter. Sie verkauft Ab­ori­ginalkunst an Durchreisende; viele lokale Künst­le­r:in­nen hätten dadurch ein Auskommen.

„Viele Vorfahren haben am Meer gelebt.“

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Die Verkäuferin ist weiß, die Kunstwerke in traditionellem Stil. Und es ist schwer, das Projekt einzuschätzen. Ein Kunsthaus, das der indigenen Gemeinschaft selbst gehört und ihre Kultur bewahrt, das klingt gut. Dass eine weiße Frau die Kunst erklärt, dass der Stil eher einförmig ist, gibt ihm einen Hauch von Panflötenmusik.

Auf den Bildern sehe man Szenen, die die Menschen mit ihren Vorfahren verbinden, sagt die Verkäuferin: Jagdszenen. Meerestiere. Meerestiere? „Viele Vorfahren haben am Meer gelebt.“ Ob die Menschen freiwillig, als Vertriebene oder auf Jobsuche nach Mount Magnet kamen, bleibt unerzählt. Auf der Website des Centers findet sich, dass eine der am Meer geborenen Künstlerinnen zur Gestohlenen Generation gehört. Manches bleibt unausgesprochen am Great Northern Highway.

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Jahrgang 1991, studierte Journalismus und Geschichte in Dortmund, Bochum, Sankt Petersburg. Schreibt für die taz seit 2015 vor allem über politische und gesellschaftliche Sportthemen zum Beispiel im Fußball und übers Reisen. 2018 erschien ihr Buch "Wir sind der Verein" über fangeführte Fußballklubs in Europa. Erzählt von Reisebegegnungen auch auf www.nosunsets.de

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