Immer Ärger in der Damenabteilung

Die schwarze Filmkomödie „Ein ferpektes Verbrechen“ schickt einen Kaufhausverkäufer ins Fegefeuer der Eitelkeiten

In Kaufhäusern lauern der Schrecken und das Verbrechen hinter jedem Kleiderständer. Die perfekt ästhetisierte Oberfläche der ausgestellten Konsumfreuden ist nichts als ein dünner Überzug über dem Abgrund, das weiß man dank „Dawn of the Dead“ und „Jackie Brown“. Unter dünnem Nagellack klafft die Verdammnis.

In dieser Welt herrscht Rafael Gonzales (Guillermo Toledo). Oder genauer gesagt: Diese Welt beherrscht ihn. Erster Verkäufer der Damenabteilung, bewundert von seinen männlichen Untergebenen, angehimmelt von einer Armada weiblicher Verkäuferinnen, die er nach Ladenschluss in der Bettenabteilung verführt, kann er sich ein anderes Leben als in Luxus, Eleganz und Seidenhemden nicht mehr vorstellen. Er lebt im Paradies, aber ihn treibt ein höheres Ziel: Er will Abteilungsleiter werden.

Dafür muss er allerdings zuerst seinen schärfsten Konkurrenten ausstechen, den älteren, etwas angestaubten, aber erfahrenen Don Antonio (Luis Varela). Alles läuft nach Wunsch, aber kurz vor der Ziellinie strauchelt Rafael über einen geplatzten Scheck – und der neue Abteilungsleiter Don Antonio hat rasch einen Grund an der Hand, den einstigen Starverkäufer zum Laufburschen zu degradieren. Ein Streit endet mit bösen Folgen: Auf einmal hat Rafael nicht nur eine Leiche, die es loszuwerden gilt, sondern auch eine Mitwisserin am Hals. Und die nutzt die Gunst der Stunde aus.

In „Ein ferpektes Verbrechen“, seinem mittlerweile siebten Spielfilm, lässt der spanische Regisseur Álex de la Iglesia über seine Hauptfigur eine nachgerade biblische Plage an Demütigungen und permanenten Erniedrigungen hereinbrechen. Wie schon in früheren Filmen („Allein unter Nachbarn“, „Perdita Durango“) versammelt er dafür einige seiner Lieblingsmotive: den Schönheitswahn und dessen Auswüchse, die Folgen krankhaften Ehrgeizes und den schieren Genuss, die Gutaussehenden und Erfolgreichen an ihrer Habgier zugrunde gehen zu sehen. Es geht dabei zwar nicht mehr so deftig zugeht wie in seinem Erstlingsfilm, der Trash-Komödie „Accíon Mutante“, in dem halb debile Anti-Fitness-Terroristen die Schönheitskönigin per Raumschiff entführen und ihr den Mund zutackern, damit endlich Ruhe ist. Doch auch in dieser schwarzen Kaufhaus-Komödie kommt der Splatteranteil nicht zu kurz. Denn zu jeder Glitzerwelt gibt es ein Kellergewölbe, und dort wartet auf Don Antonio ein Metzgerbeil und ein rostiger Brennofen.

Man kann dem Regisseur nicht vorwerfen, dass er seine Bosheiten einseitig verteilt: Nicht nur die vom Glück Verwöhnten, auch die zu kurz Gekommenen zeichnen sich vor allem durch Niedertracht und Unbarmherzigkeit aus. Lourdes (Monica Cervera), das hässliche Entlein, die ungeplante Komplizin, entwickelt ein ungeahntes Talent, Rafael das Leben zur Hölle zu machen, bis dieser sich in schierer Verzweiflung entschließt, begangene Fehler endlich geradezubiegen und alle Probleme auf einmal aus dem Weg zu räumen. Aber selbst der beste Plan kann niemals perfekt sein.

Vielleicht kann jemand, der mit Nachnamen „Von Der Kirche“ heißt, einfach kein gänzlich nihilistisches Menschenbild haben. De la Iglesia zeichnet seine Figuren trotz all ihrer kleineren und größeren Charaktermängel so sympathisch, dass man ihnen noch ihre schlimmsten Schurkenstücke verzeiht. Und darüber, wie er es schafft, en passant Alfred Hitchcock zu zitieren („Immer der Ärger mit Harry“), sich vor Luis Buñuel („Das verbrecherische Leben des Archibaldo de la Cruz“) zu verbeugen und bei allen Referenzen einen ganz eigenen, überdrehten, rasanten visuellen Stil zu entwickeln, kann man nur staunen.