In einer nahen Zukunft

BLOCKBUSTER Die Verfilmung des Bestsellers „Die Tribute von Panem“ ist auch sanfte Medienkritik

Eine Leitformel des Filmgeschäfts besagt: Was sich schon in anderer Form gut verkauft hat, das wird auch in der Kinokasse noch einmal schön klingeln. Nicht wenige Leinwanderfolge sind folglich aus Jugendbuchbestsellern gemacht. Um einen solchen handelt es sich auch bei „Die Tribute von Panem“, im Original „The Hunger Games“, einer Romantrilogie der Amerikanerin Suzanne Collins, die seit 2008 bereits ein internationales Millionenpublikum erreicht hat.

Collins, die ursprünglich fürs Kinderfernsehen schrieb, orientiert sich nicht an Fantasy und Fabelwesen wie „Twilight“-Erfinderin Stephenie Meyer, sondern an einem klassischen Science-Fiction-Topos: In einer nahen Zukunft heißt Nordamerika Panem und ist in zwölf Distrikte aufgeteilt. Einmal im Jahr werden unter deren jugendlichen Bewohnern jeweils ein männlicher und ein weiblicher Kandidat ausgelost. Diese 24 „Tribute“ müssen ihren Distrikt dann in einem TV-Spektakel auf Leben und Tod vertreten.

Einiges an diesem ersten Film dient merklich dem Aufbau von Handlung und Figuren, die sich wohl erst noch entfalten müssen

Als Kinogänger kann man sich das zunächst als eine Art „Truman Show“ trifft „Spartacus“ vorstellen – als nicht ganz neu, aber interessant abgewandelt. Vor gut zehn Jahren blieb etwa der themenverwandte japanische Kinofilm „Battle Royale“ mehr dem funktionalen Genre des Teenie Slashers verbunden. Die „Hunger Games“ hingegen sind stärker auf die dramatische Erzählung hinter den Spielen, aufs Empfinden, Erleben und die Entwicklung der Hauptfigur ausgerichtet.

Schließlich soll man an deren Schicksal möglichst noch zwei Fortsetzungen lang Anteil nehmen. Auch ist diese Katniss Everdeen, verkörpert von Jennifer Lawrence („Winter’s Bone“), keine gewöhnliche Kandidatin: Sie meldet sich freiwillig, um das Leben ihrer eigentlich ausgewählten jüngeren Schwester zu retten.

Das moralische Dilemma, dass die integere Heldin selbst zum Killer werden muss, um das Spiel lebend zu überstehen, wird mit Hilfe von Drehbuchideen kreativ umspielt. Trotzdem bleibt ein wenig schaler Beigeschmack. Einiges an diesem ersten Film dient merklich dem Aufbau von Handlung und Figuren, die sich wohl erst noch entfalten werden.

Gut funktioniert an der Verfilmung durch Gary Ross beispielsweise das Ineinanderspiegeln von innerfilmischer Wirklichkeit und Produktionsrealität – etwa wenn schwarze Höllenhunde direkt vom CGI-Entwurfstisch der TV-Kommandozentrale in den Spielparcours draußen integriert werden. Dass der Spielverlauf hergestellt wird und manipulierbar bleibt, bestimmten Interessen folgt, das ist eine Form von sanfter Medienkritik, die bei einem Blockbuster für jugendliche Medienkonsumenten nicht selbstverständlich ist.