Streit über Schulreform

„Schluss mit den linken Bildungsexperimenten! Berlin braucht ein konsequent leistungsbezogenes Schulsystem.“ Diese Forderung des konservativen Bunds Freiheit der Wissenschaft (BFW) sorgt für Aufregung. Denn Gerhard Schmid, Regionalbeauftragter des BFW für Berlin und Brandenburg und Autor der Forderungen, ist Schulrat in Friedrichshain-Kreuzberg – und dort mit der Umsetzung der rot-roten Schulreform betraut. Die geht in eine ganz andere Richtung: Abschaffung der Haupt- und Realschulen zugunsten der neuen Sekundarschule, Mischung von SchülerInnen verschiedener Lernniveaus statt leistungsbedingten Auseinandersortierens auf unterschiedliche Schultypen.

Der BFW setzt dagegen auf einen „konsequent leistungsorientierten Übergang“ von der Grundschule auf die verschiedenen Oberschultypen. Für „begabte Kinder aus Migrantenfamilien“ fordert Schmid gar eigene „Gymnasien besonderer pädagogischer Prägung“.

Einen Widerspruch zwischen seinen als Verbandssprecher gemachten Äußerungen und seinen Aufgaben als Schulrat sieht Schmid nicht: Man müsse in einer Gesellschaft mit mehreren Rollen zurechtkommen, sagte er der taz am Freitag. Mit der grünen Schulstadträtin des Bezirks, Monika Herrmann, arbeite er reibungslos zusammen. Sie war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher der Grünen, forderte laut Medienberichten die Versetzung Schmids, der „untragbar“ sei. In der Schulverwaltung soll es bereits lange Unmut über den konservativen Mitarbeiter geben. Offiziell äußern will man sich nicht.