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Mit Kleinstetat ins Mittelfeld

VOLLEYBALL Vor einem Jahr fast abgestiegen, haben die Spielerinnen des Köpenicker SC in dieser Saison alle überrascht

Nach dem letzten Hauptrundenheimspiel der Volleyballerinnen vom Köpenicker SC haben die Zuschauer ihr Team am vergangenen Freitag mit minutenlangen Standing Ovations gefeiert. Dabei hatte die Mannschaft gegen Tabellenführer Vilsbiburg gerade 0:3 verloren. Aber der Applaus galt nicht nur einem Spiel, er galt einer ganzen Saison – der erfolgreichsten in der Köpenicker Historie. Platz neun in der Liga, 24 gesammelte Punkte. Das hatte niemand erwartet. Der KSC ist die große Überraschung in der Liga. „Ich bin mächtig stolz auf meine Mädels“, sagt deshalb Trainer Gil Ferrer Cutino. Der Kubaner war früher für den SC Charlottenburg aktiv, hat seine Mannschaft zu einer Einheit geformt. Das Team trifft sich jeden Abend – auch privat außerhalb der Halle.

Ende der vergangenen Saison übernahm Cutino kurzfristig den Cheftrainerposten. Das Team war so begeistert von ihm, dass es ihn kurzerhand fragte, ob er nicht weitermachen wolle. Cutino blieb, seitdem geht es aufwärts. „Ich lebe Volleyball und habe so viel Spaß dabei“, sagt er. Seine Art kommt bei den Spielerinnen an. „Es passt einfach“, sagt Außenangreiferin Sandra Sell. Die drittbeste Punktesammlerin der Liga war am Sonnabend zwar mit Knieproblemen zum Zuschauen verdammt, aber wie das gesamte Team ist die 23-Jährige diese Saison über sich hinaus gewachsen. So sehr, dass sie sogar an die Tür der Nationalmannschaft klopfte. Wird sie rechtzeitig fit, könnte sie im Sommer noch um ein Olympia-Ticket mitkämpfen. „Das wäre ein großer Traum“, sagt sie.

Neben Sell spielte auch Kapitän Ilona Dröger eine tolle Saison. Seit fast sieben Jahren ist die Älteste im Team nun in Köpenick. Hinter Sell ist die 32-Jährige die viertbeste Angreiferin der Liga. Und das, obwohl sie tagsüber noch als Lehrerin arbeitet. Erst die Kids unterrichten, und am Abend dann die Bälle über das Netz schmettern, „aber wenn der Erfolg da ist, macht es auch viel Spaß“, sagt sie.

Zu Anfang der Saison von einigen Gegnern sicherlich noch unterschätzt, steigerte sich der KSC von Spiel zu Spiel. Schnell war das eigentliche Saisonziel, den Abstieg zu verhindern, abgehakt. Obwohl er mit ihrem Mini-Etat von knapp 250.000 Euro eher am Ende der Liga liegt, findet sich der KSC nun im gesicherten Mittelfeld wieder. Bis auf die ersten vier der Liga wurde jeder Gegner geschlagen. Mit den Erfolgen kam die mentale Stabilität. Verlor der KSC letzte Saison in schöner Regelmäßigkeit noch knappe Spiele, konnte man diese Saison einige für sich entscheiden. „Wenn es läuft, gewinnt man eben auch solche Spiele“, meint Vereinssprecher Burkard Kroll. Auffällig ist besonders die Heimstärke der Köpenickerinnen. „Hier kennen wir jeden Quadratmeter. Und das Publikum und die tolle Stimmung geben uns Sicherheit“, so Sell.

Die kleine Köpenicker Erfolgsgeschichte hätte aber beinahe gar nicht stattgefunden. Vor einem Jahr war der KSC nämlich am Boden. Sportlich abgestiegen und vor einer ungewissen Zukunft. Nur die Insolvenz von Aufsteiger Augsburg ermöglichte den Erstligaverbleib.

Noch ist die aktuelle Saison für den KSC nicht vorbei. Am nächsten Samstag kommt es in Stuttgart zum Showdown. Der Sieger der Partie wird Achter und hat damit die Playoffs erreicht, in denen die Meisterschaft ausgespielt wird. Das haben die Berlinerinnen noch nie geschafft. Deshalb sind sie auch nur Außenseiter, haben keinen Druck. „Aber wer weiß, wann wir wieder so eine Chance bekommen werden“, sagt Dröger. Es wäre für den Verein das i-Tüpfelchen einer ohnehin tollen Saison.