Kunstrundgang

Brigitte Werneburg schaut sich in den Galerien von Berlin um

bis 18. Juni, Christopher Orr, Arndt & Partner, Di-Sa 11-18, Zimmerstraße 90-91

Die Landschaft ist verhangen, in gelblichen Nebel getaucht, nur ein paar Wanderer verlieren sich in ihr. Die Farbfotografien, die der dänische Künstler Nikolas Theilgaard, Jahrgang 1971, im hinteren Raum von Capri ausstellt, könnten ohne weiteres „Wunschwelten“ sein. „Neue Romantik in der Kunst der Gegenwart“, wie die heute eröffnete Ausstellung der Frankfurter Schirn den neuesten Trend in der Gegenwartskunst labelt. Freilich irritiert da, wie im vorderen Raum die Gattung der Landschaftsdarstellung auf radikal andere Weise abgehandelt wird. An der Wand hängt das Ortsregister eines Weltatlases, auf dem Theilgaard sämtliche Eintragungen mit Tippex übermalte, bis auf die Orte, in denen er einmal war. Diese konzeptuelle Geografie des Selbst aber gehört maßgeblich zum fotografischen Werk, das weniger der Sphäre des romantischen Empfindes als vielleicht eines romantischen Denkens angehört. Das Nebensächliche, Marginale rückt Theilgaard ins Zentrum seiner Weltdarstellung und systematisiert es in einer ganz eigenen Kosmologie.

Auch auf Christopher Orr bei Andt & Partner – mit seiner kleinformatigen Ölmalerei tatsächlich in der Frankfurter Ausstellung vertreten – könnte dies zutreffen. Obwohl zunächst Landschaft, Licht und Nebel das reine romantische Empfinden belegen. Doch dann bemerkt man wie die Menschen die aktuelle Mode in die verwunschenen Idyllen hineintragen, wie seinen Szenarien ausgerechnet jener Teil abhanden gekommen zu sein scheint, der das Dargestellte erst zu verstehen erlaubt. Tatsächlich zitiert der schottische Maler im ursprünglichen Abbildungsmaßstab – freilich nur fragmentarisch – aus alten Büchern und populären Zeitschriften. Im Maßstab behauptet sich das Konzept, Distanz zum Idyll als Rettung wie Verführung zugleich einzusetzen.

Bis 14. Mai, Nikolas Theilgaard, Capri, Do-Sa 16-19 Uhr, Brunnenstraße 149;