Mysteriöses Vogelsterben

Es regnet tote Dohlen

In den USA und Schweden sind in den vergangenen Tagen tausende Vögel tot vom Himmel gefallen. Die Ursache ist unklar. Experten schließen eine Epidemie allerdings aus.

Feuerwehrchef Christer Olofsson mit einer toten Dohle in Falköping.  Bild: dapd

WASHINGTON/STOCKHOLM/NEUMÜNSTER dpa | In den USA sind weitere 500 tote Vögel entdeckt worden. Man habe die verendeten Tiere bei der Ortschaft Pointe Coupee im Bundesstaat Louisiana gefunden, berichteten lokale Medien am Dienstag. Die Kadaver hätten am Montag auf einer Landstraße gelegen. Die Todesursache sei unklar, hieß es. 

taz paywall

Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?

Mehr Infos

taz.de

Rund 500 Kilometer nördlich von Pointe Coupee hatte nach der Silvesternacht ein erstes mysteriöses Vogelsterben im Bundesstaat Arkansas weltweite Schlagzeilen gemacht. Nach wie vor ist allerdings unklar, warum rund 5.000 Rotschulterstärlinge über dem Städtchen Beebe vom Himmel stürzten.

Tiermediziner der staatlichen Veterinärkommission schlossen in ihrem vorläufigen Bericht aus, dass Krankheiten oder Viren für den massenhaften Tod der Rotschulterstärlinge (Agelaius phoeniceus) verantwortlich sind. Alle wichtigen Organe seien gesund gewesen, hieß es. Vielmehr erhärte sich der Verdacht, dass die Vögel durch Silvesterböller aufgeschreckt wurden. Sie seien in der Nacht umhergeflogen, was sie sonst nicht tun, da sie im Dunkeln schlecht sehen könnten.

Auch in Schweden gibt es nun ein mysteriöses Vogelsterben. In der kleinen Stadt Falköping seien am späten Dienstagabend rund 50 bis 100 Vogelkadaver auf einer Straße gefunden worden, berichteten lokale Medien. Tierärzte untersuchten die toten Dohlen derzeit.

Auslöser solcher plötzlichen Massensterben sei oft Hagelschlag, erläuterte der Vogelexperte Ingo Ludwichowski, Vorsitzender des Naturschutzbunds (Nabu) in Schleswig-Holstein. Für diese Ursache sprächen Berichte, nach denen die Rotschulterstärlinge in Arkansas bereits mit Verletzungen vom Himmel gefallen seien. Auch nach Vergiftungen, etwa mit Quecksilber durch gebeiztes Getreide, seien Massensterben beobachtet worden. In seltenen Fällen seien auch besondere Windkonstellationen als Ursache denkbar. Eine Krankheit schloss Ludwichowski dagegen weitgehend aus – es sei extrem unwahrscheinlich, dass so viele erkrankte Tiere zugleich stürben.

Die tatsächliche Ursache könnten allerdings nur jeweils die Tierärzte ermitteln, die die toten Vögel untersuchten. Allgemein seien Vogel-Massensterben eher seltene Ereignisse. "Das gibt es immer wieder mal, man kann aber nicht sagen, dass es häufig ist", sagte der Nabu-Vogelexperte.

 
05. 01. 2011

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Wenn Sie Ihren Kommentar nicht finden, klicken Sie bitte hier.

Ihren Kommentar hier eingeben