Sind Junkies allergisch gegen Klassische Musik?

Bahnhofstoiletten, in denen das normale Neonlicht gegen UV-Licht eingetauscht wird, kennt man schon. Die Junkies können dann ihre Venen nicht finden, wenn sie sich einen Schuss setzen wollen. Lassen sich Drogenabhängige aber auch durch Klassische Musik vertreiben?

Bei der Hamburger U-Bahn glaubt man das (siehe oben), doch die Experten sind da eher skeptisch. „Zu mir ist noch keiner gekommen und hat gesagt, ich halte mich nicht am Hauptbahnhof auf, weil da Klassische Musik läuft“, sagt Peter Möller von der Hamburger Drogenberatungs- und Kontaktstelle, die direkt gegenüber dem Hauptbahnhof liegt. Dort spielt nicht nur die U-Bahn, sondern auch die Deutsche Bahn Klassik, und tatsächlich sind die Junkies auf dem Bahnhofsgelände weniger geworden. Möller hätte dafür aber noch ein paar weitere Erklärungen. Zum Beispiel habe der „Ordnungsdruck“ am Hauptbahnhof zugenommen. „Das ist ja da relativ hart“, sagt Möller.

Bei dem Musikpsychologen Reinhard Kopiez von der Hochschule für Musik und Theater Hannover löst die Theorie, Junkies vertrügen keine Klassik, sogar regelrechte Heiterkeit aus. „Das“, sagt er, „würde ich in die Kategorie ‚naive Theorien‘ einordnen, so wie ‚Kühe geben mehr Milch, wenn sie Mozart hören‘.“

In den USA habe man Klassische Musik eingesetzt, um Jugendliche aus den Shopping Malls zu vertreiben, sagt Kopiez. Er wisse aber von keiner einzigen Studie, die „einen überzeugenden Wirkungsnachweis“ geführt hätte. Es könne freilich sein, dass der Vertreibungseffekt nicht von der Art der Musik, sondern von ihrer akustischen Aufbereitung ausgelöst werde. Eine „flache Instrumentierung“ könne störend wirken, ebenso schlechte Lautsprecher. Popiez schlägt vor, eine „Kontrollgruppe“ einzusetzten, die man ausschließlich mit Popmusik beschallt. wie