Die Zeitbombe darf vorerst weiterticken

Obwohl eigentlich für Mai dieses Jahres geplant, soll das Atom-Endlager Morsleben erst 2006 geschlossen werden

MAGDEBURG | taz ■ | Das endgültige Aus für das Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben (Eram) verzögert sich um mindestens ein weiteres Jahr. Das erfuhr die taz aus Kreisen des Umweltministeriums des Landes Sachsen-Anhalt. Schon im Dezember hatte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) als zuständige Genehmigungsbehörde über die erneute Verschiebung des Termins spekuliert.

Bereits seit 1992 liegt dem Magdeburger Umweltministerium ein Antrag auf Stilllegung des ehemaligen DDR-Endlagers vor, immer wieder war die Vervollständigung des Antrages durch das Bundesamt für Strahlenschutz hinausgeschoben worden. Die kritischen BeobachterInnen vom „Morsleben-Netzwerk“, einem Zusammenschluss verschiedener Umweltorganisationen, sprechen gar von einer „Verzögerungstaktik des Bundesamtes“.

„Das Morslebener Endlager ist in hohem Maße gefährlich: Es sind Leckstellen in der Salzdecke des Bergwerks dokumentiert, die in den nächsten Jahren dazu führen könnten, dass Radioaktivität ins Grundwasser gelangt und negative Auswirkungen auf die Umwelt spürbar werden“, sagt Jan Steffen vom Morsleben-Netzwerk. Teile des Schachtes seien einsturzgefährdet, und an einigen Stellen ist die Schicht zwischen den radioaktiven Einlagerungen und dem Erdreich nicht so dick wie von Regierungsexperten gefordert. Steffen: „Das Endlager Morsleben ist eine einzige Zeitbombe. Für uns ist unverständlich, warum der Antrag in mehr als zwölf Jahren noch nicht zur Entscheidungsreife gebracht werden konnte.“

Eine Antwort hierzu hat auch das Bundesamt für Strahlenschutz nicht, von dessen Pressestelle lediglich zu erfahren ist, dass man keine Auskunft geben dürfe, da es sich um ein laufendes Verfahren handele. Bei dem angepeilten Termin im Januar 2006 handele es sich auch nur um eine Prognose, ein genauer Termin könne nicht genannt werden, erklärte ein Sprecher des BfS.

Den Vorwurf, das Bundesamt habe die Absicht, die Stilllegung zu verschleppen, wies er allerdings von sich. Es seien lediglich noch nicht alle Unterlagen eingegangen, die zur Entscheidung über den Antrag nötig wären, so das BfS.

Dr. Michael Mehnert, Mitarbeiter des Bundesamtes, bestätigt, dass fraglos eines Tages radioaktives Material aus dem Endlager austreten und die Umwelt schädigen wird. Es sei das Ziel des Stilllegungskonzepts, den Zeitpunkt des Austretens radioaktiver Stoffe so weit zu verzögern, dass die Grenzwerte eingehalten werden. Die Forderungen von Umweltschutzorganisationen nach einer Publikation von allgemein verständlichen Berichten, ohne die eine kritische Betrachtung des BfS-Konzeptes nicht möglich sei, wurde von dem BfS-Mann Mehnert allerdings abgelehnt. Wann das atomare Endlager Morsleben endgültig in den Ruhestand gehen darf, steht also noch in den Sternen.