DEUTSCHE HYMNE

Das Lied zum Softeis

Ich habe die DDR-Hymne so oft an schönen Tagen gehört, dass ich sie nicht aus meinem Herzen bekomme. An diesen schönen Tagen gab es Winkelemente und Softeiselemente. Wenn ich die dramatischen Takte höre, möchte ich mir an die Brust greifen und sagen: „Mein Land hatte das beste Eis!“, aber das darf ich nicht, weil es in einem Unrechtsstaat nicht um Eis geht.

Dabei fetzt „Auferstanden aus Ruinen“ einfach total ein. Das schmettert. Der Text von Johannes R. Becher ist so optimistisch, dass dieses abgehakte Stück Land etwas Gutes hinbekommen wird. Hat es aber nicht. Das fingt ja schon damit an, dass der wundervolle Text nicht gesungen werden durfte, und da, wo man nicht singt, da lass dich nicht nieder … Also flüchteten die, die lieber singen wollten, dahin, wo man wenigstens noch ein Drittel der Hymne singen durfte.

Davon wusste mein patriotisches Kinderherz voller Softeis nichts. Was waren das für Momente, wenn das kleine Pupsland neben dem großen Bruderland auf sportlichen Treppchen stand! Bei dieser Hymne ließ sich mit Stolz eine Fahne und Rotz vom Heulen hochziehen.

Ich muss mich inzwischen meiner Rührung nicht oft schämen, denn „Auferstanden aus Ruinen“ ist ja nicht mehr oft zu hören. Die Melodie wird Fernsehmehrteilern unterlegt, die das Für und Wider, aber eher das Wider der DDR behandeln: Die Pioniere waren wie die Hitlerjugend, Militärparaden sind Machozeugs. Das habe ich einsehen müssen. Dann habe ich auch meine Gefühle erwachsen bekommen, aber ich habe es nie hinbekommen, „Auferstanden aus Ruinen“ nicht mehr packend zu finden.

Die DDR hatte ihre Hymne gar nicht verdient. Mit der neue Hymne kann ich wenig anfangen bzw. mit der alte Hymne. Mich hat es verwirrt, dass die schon von den Nazis gesungen wurde. Die Nazis haben so ein dröges Weihnachtslied gesungen? Dabei soll Deutschland im Glanze des Glückes blühen? Da schlafen die Pflanzen doch beim Knospen ein. Aber ich will gar nicht meckern, dazu ist mir das „Lied der Deutschen“ zu egal. Nicht meins. KIRSTEN FUCHS