Umweltmediziner per Express in Rente geschickt

Bekannter Bremer Forscher geht. Das Wort „Umwelt“ stört angeblich bei Anwerbung von Aufträgen und Drittmitteln. Auch Uniprofessur bald weg

BERLIN | taz ■ | Plötzlich ging alles ganz schnell: Seit Freitag vergangener Woche ist der in Umweltkreisen bekannte Professor Rainer Frentzel-Beyme nicht mehr Abteilungschef am Bremer Institut für präventive Sozialforschung (www.bips.uni-bremen.de). Nach einer Sitzung des zuständigen und vom Land Bremen beherrschten Vereins zur Förderung der Forschung erfuhr der Professor, dass seine Abteilung „Epidemiologie der Umwelt und des Arbeitslebens“ mit sofortiger Wirkung nicht mehr existiert.

Dafür gibt es seit Beginn dieser Woche eine neue Abteilung an dem Institut. Sie heißt „Epidemiologische Methoden und Ursachenforschung“ und wird vom frisch gebackenen Professor der Mathematik Wolfgang Ahrens geleitet. Er war schon bisher am BIPS. Die neue Abteilung soll im Prinzip ähnliche Arbeit leisten wie bisher Frentzel-Beyme, also vor allem Ursachenforschung zu arbeitsbedingten Erkrankungen oder auch die Leukämiestudie am AKW Krümmel.

Aber ohne explizit das Wort Umwelt zu erwähnen. Alle Beteiligten auch im Wissenschaftssenat sind der Meinung, das Wort störe zurzeit eher bei der Anwerbung von Studienaufträgen und bei Drittmittelanträgen zum Beispiel an die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die EU. Und das Land Bremen selbst kann nur 25 Prozent des Institutsetats bezahlen.

„Ein fähiger Mann“, meint Frentzel-Beyme zu seinem Quasinachfolger Ahrens. Aber eben kein Umweltmediziner. Damit wird der forschende Teil dieser Spezies in Deutschland weiter dezimiert. Toxikologen und Umweltmediziner haben keinen guten Stand: Sind sie zu kritisch, ziehen sie sich den Ärger von Chemie- und Pharmakonzernen und damit leider auch von Regierungen und Wissenschaftsbürokratie zu.

Außerdem versuchen Mediziner und Pharmakologen an den Universitäten in Zeiten des Sparzwangs sich die Professuren der meist kleinen umweltmedizinischen Abteilungen einzuverleiben. So wird wohl auch die zusätzliche Uniprofessur Frentzel-Beymes am Umweltforschungszentrum UFT nach seiner dortigen Emeritierung im kommenden Mai nicht wieder besetzt. Schließlich wird Bremen eine große Zahl von Lehrstühlen einsparen.

Mit Frentzel-Beyme geht einer der bekanntesten deutschen Umweltgutachter. Er arbeitet unter anderem in der Krebsforschung, zu Mobilfunkmasten und ihrem Elektrosmog, trat beim Thema Uranmunition oder lösungsmittelbedingten Krankheiten in Erscheinung. Schon im November war der langjährige Institutsleiter und kantige Pharmakologe Eberhard Greiser pensioniert worden. Seine Nachfolgerin Iris Pigeot ist Bio-Statistikerin.