Weiter Himmel, enger Körper

Eine abgründige Komödie: In „Garage“ gibt der irische Comedien Pat Shortt einen Außenseiter auf dem Land

Wenn Josie (Pat Shortt) die Straße hinab läuft, schwankt sein Oberkörper hin und her wie ein Schiff auf schwerer See. Es ist die Hüfte. Seine Arme gleichen dieses Pendeln nicht aus, sondern sind steif an den Schultern festgeschraubt. Als hätten die Demütigungen, die er sein Leben lang ertragen musste, diesen Mann endlich so weit in seinen Körper hineingetrieben, dass der zu seinem Gefängnis wurde. Als hätten seine Muskeln beschlossen, dass nicht nur Gegenwehr, sondern alle Bewegung nutzlos sei. Was Josie anpackt, packt er unter Mühen an.

Alle im Ort kennen Josie, niemand nimmt ihn für voll. Die Tankstelle, an der er arbeitet, ist zugleich seine Wohnung. Morgens sperrt er auf, setzt sich vor die Tür, abends sperrt er zu, geht nach hinten und legt sich schlafen. Am besten versteht er sich mit den Lastwagenfahrern, die mit ihrer Fracht quer durch Europa touren. Das könnte ein Leben sein, denkt sich Josie, aber es ist nicht das Leben, das er hat.

Irland ist in „Garage“ von Lenny Abrahamson eine grüne Insel, in der die Weite der Natur wie eine Bedrohung wirkt. Der Horizont ist endlos, aber die Leute sind engstirnig und gehen deshalb wie unter einer bleischweren Last daher. „Schöner blauer Himmel heute“, sagt Josie zu einem, der ihm nicht zuhört. Er ist der Einzige im Ort, der jemals nach oben blickt.

„Der Ort schaut nach den Seinen“, sagt er, und man weiß nicht genau, ob er das nicht doch sarkastisch gemeint haben könnte. Denn einen wie ihn beachten sie im Ort höchstens, um sich über ihn lustig zu machen. Oder zu verprügeln. Freundlichkeit begegnet Josie selten. Da ist sein Boss, den er mit Mr. Gallagher anredet, obwohl sie zusammen zur Schule gegangen sind. Der fährt ein teures Auto und hat noch nie einen Cent in die Tankstelle investiert. Dennoch gehört er zu denen, die Josie noch am besten behandeln. Da ist Carmel, die Verkäuferin, die kein Glück hat mit den Männern und Hausverbot in mehreren Pubs. Sie mag Josie, aber nicht so, wie Josie sie mag. Und da ist der 15-jährige David, der an den Wochenenden an der Tankstelle aushelfen soll. Auch er ist ein Außenseiter, einer, der nur zusehen kann, wie die anderen die Mädchen abschleppen.

„Garage“ braucht wenig, um die tragische Geschichte von einem zu erzählen, der am Ende ohne jedes Sicherheitsnetz dasteht, als die Gemeinschaft beschließt, ihn endgültig fallen zu lassen. Der irische Comedian Pat Shortt spielt diesen Josie mit entwaffnender Aufrichtigkeit, ohne ihn zu denunzieren und ohne auf unser Mitleid zu setzen. Letztlich bleibt diese Figur uns fremd, weil auch wir uns dabei ertappen, in ihm nichts weiter als den Sonderling zu sehen. Die Komödie, die uns dieser Film anbietet, ist abgründig.