Tschechien bleibt uneinsichtig

Porno-Test mit Asylbewerbern

Die EU rügt die Regierung in Prag, weil sie homosexuelle Asylbewerber zur "Phallometrie" zwang. So sollte die sexuelle Gesinnung erkannt werden.

Schwul oder was? In Tschechien werden homosexuelle Asylbewerber auf menschenunwürdige Weise getestet .  Bild: suze / photocase.com

PRAG taz | Erneut scharf kritisiert hat die Europäische Union die tschechische Praxis der "Phallometrie", vulgo: Penischeck, bei Asylbewerbern. "Die Phallometrie wird auch weiterhin angewandt und stellt eine ernsthafte Verletzung der Privatsphäre und der Menschenwürde dar," rügte EU-Kommissarin Cecilia Malström den Sextest.

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Der Test soll den Prager Behörden dazu dienen festzustellen, ob ein Asylbewerber, der eine Verfolgung wegen Homosexualität in seinem Heimatland geltend macht, auch tatsächlich homosexuell ist. Das Verfahren, entwickelt in den 50er Jahren vom tschechischen Sexuologen Kurt Freud, soll bestimmen, wie sich sexuelle Anreize auf den Blutfluss zu den Geschlechtsorganen auswirken.

Bei der laut tschechischem Innenministerium "komplexen sexualdiagnostischen Untersuchung" werden homosexuellen Asylbewerbern Pornofilme vorgeführt. Wer angetörnt wird, dem droht die Abschiebung. Denn, so die Logik der tschechischen Behörden, wahre Homosexuelle lassen Hetero-Pornos kalt.

In den zweifelhaften Genuss staatlich verordneter Sexfilmchen kommen allerdings nur Asylbewerber aus Ländern in denen, so das Innenministerium, die "islamische Rechtsprechung der Scharia gelte" oder Homosexualität bestraft werde: Iran, Syrien, Ägypten, Aserbaidschan, Nigeria oder Kamerun.

<typohead>Widerspruch zu den Menschenrechten<br/>

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Die tschechische "Organisation für Flüchtlingshilfe" weiß von mindestens drei Fällen, in denen sich Asylbewerber "freiwillig" dieser Untersuchung unterzogen: ein schwules iranisches Paar und eine lesbische Frau aus Kamerun. "Fälle, in denen schon allein eine langjährige Partnerschaft die sexuelle Orientierung des Bewerbers unter Beweis stellte", sagt Magda Faltová von der "Vereinigung für Integration und Migration".

Inzwischen soll Tschechien die kontroverse Methode zwar eingestellt haben. "Aber sie hat sich bislang nicht von ihr distanziert," rügt Faltová. Schon 2009 habe man von der Phallometrie Abstand genommen und plane nicht, zu ihr zurückzukehren, heißt es in einer Stellungnahme des tschechischen Innenministeriums.

Dennoch bleibt die Empörung groß. Schon im Dezember vergangenen Jahres kritisierte die Europäische Union Tschechien scharf für die Praxis, sexuelle Orientierung zu messen. Sie stehe im um Widerspruch zur EU-Menschenrechtscharta. Die Menschenrechtsagentur der EU bezeichnete die Tschechen gar als homophob.

Kommissarin Malström meint nun, Tschechien verletze zudem die Europäische Charta der Menschenrechte sowie das Asylrecht der EU.

Das tschechische Innenministerium sieht das anders. Die Phallometrie soll dazu dienen, Asylbewerber zu schützen, erklärte es: "Im Zweifelsfall wollen wir hundertprozentige Sicherheit, dass wir niemanden in ein Land zurückschicken, dem dort aus Gründen der sexuellen Orientierung Gefahr oder sogar die Todesstrafe droht."

 

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