Ja zur kleinschreibung sagen:

Elfriede Jelinek, schriftstellerin:

„ich habe das damals gemacht, um die hierarchie der wörter aufzuheben – diese idee, dass ein substantiv mehr wert sein soll als ein verb. das stand natürlich in der tradition der wiener gruppe, und die war wiederum vom dadaismus geprägt.

ich würde es auch heute wieder tun, wenn ich es bei einem text für nötig halten würde.

ich bin davon aber wieder abgekommen, weil ich der meinung bin, dass es nichts bringt und auch die lesbarkeit nicht erleichtert. ich halte deshalb auch nichts davon, es zur regel zu erheben.“

H. C. Artmann, dichter:

„Große anfangsbuchstaben meinetwegen, aber sonst bin ich für kleinschreibung. Schon allein wegen der ästhetik muss das schriftbild aussehen wie eine gebetsschnur, wie ein rosenkranz mit aufstrebenden buchstaben und mit buchstaben nach unten.“

Renée Zucker, schriftstellerin:

„kleinschreibung ist einfach und herrlich zeitsparend – (weil ich nur mit drei fingern tippe).“

Jacob Grimm, verfasser des deutschen wörterbuches, 1854:

„den gleichverwerflichen misbrauch groszer buchstaben für das substantivum, der unserer pedantischen unart gipfel heißsen kann, habe ich […] abgeschüttelt.“

Yves Eigenrauch, ex-fußballprofi:

„ich arbeite mit der radikalen kleinschreibung. zum einen ist das eine formale ästhetisierung und schlicht schöner, zum zweiten ist es eine vereinfachung.“

Feridun Zaimoglu, schriftsteller:

„was mir an der radikalen kleinschreibung gefällt, ist ihr pamphletartiger charakter, wie damals bei der raf. das hat nichts mit einer basisdemokratie der buchstaben zu tun. es führt einfach nur dazu, dass man sich stärker auf den inhalt konzentriert. man sollte sie aber nur anwenden, wenn der inhalt das zulässt und es zweckmäßig ist – und sei es nur, um all die oberlehrer und experten zu ärgern.“