Institut ohne Harmonie

Mit einem neuen Direktor soll beim Deutschen Institut für Menschenrechte wieder Ruhe einkehren. Doch Vorgänger MacLean schießt nochmals scharf – und verlangt Rücktritt von Kuratorinnen

Alle hoffen auf einen Neuanfang. Heute tritt der Sozialwissenschaftler Heiner Bielefeldt seinen Posten als Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte an. Sein Vorgänger Percy MacLean war vor einem halben Jahr im Streit gegangen. Das in Berlin angesiedelte Institut wurde 2001 neu eingerichtet. Es soll die Politik beraten sowie Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit betreiben.

Doch unter einem Neuanfang verstehen die Konfliktparteien nicht das Gleiche. Exdirektor Percy MacLean forderte gestern in einem offenen Brief den Rücktritt der beiden stellvertretenden Kuratoriumsvorsitzenden Barbara Unmüssig, Vorständlerin der grünnahen Heinrich-Böll-Stiftung, und Beate Schöpp-Schilling, einer konservativen Frauenrechtsexpertin.

Die beiden Frauen, die maßgeblich für MacLeans Ausscheiden verantwortlich waren, sollten den Weg freimachen für Personen, die „glaubwürdig“ den Einsatz für die Menschenrechte verkörperten. Im Gegenzug verlangte Unmüssig von MacLean, er solle endlich Ruhe geben, „damit der neue Direktor erfolgreich seine Arbeit beginnen kann“.

MacLean hatte vor genau einem Jahr sein Amt als erster Direktor des Instituts angetreten. Schon nach viermonatiger Amtszeit legte ihm das Kuratorium einen „freiwilligen“ Rücktritt nahe. MacLean selbst glaubt, das Gremium habe an seinem Interesse für die Menschenrechtslage im eigenen Land Anstoß genommen. Unmüssig weist das zurück. „Das Institut soll sich selbstverständlich auch um die Situation in Deutschland kümmern.“ Als Beleg dafür, dass dies weiterhin geschieht, verweist sie auf eine gestern vorgestellte Rassismus-Studie (siehe Kasten).

In Kuratoriumskreisen begründet man die schnelle Trennung vom ersten Chef damit, dass sich MacLean als „fachlich und menschlich unfähig“ erwiesen habe. Der Gescholtene seinerseits wirft der Kuratorin Schöpp-Schilling Inkompetenz und die Verfolgung persönlicher Interessen vor. Die beiden Frauen, die den kranken Kuratoriumsvorsitzenden Werner Lottje seit rund einem Jahr vertreten, drohen MacLean nun wegen seiner „unwahren Behauptungen“ mit juristischen Schritten.

Dass es Konflikte um das Deutsche Institut für Menschenrechte geben würde, hatte man erwartet. Deshalb darf die Bundesregierung das Institut zwar finanzieren, hat aber kein Stimmrecht im Kuratorium, wo vor allem gesellschaftliche Gruppen und Wissenschaftler sitzen. Mit Fehden unter den Menschenrechtsprofis selbst hatte niemand gerechnet.

MacLean sieht einen „verhängnsivollen Strukturfehler“ darin, dass der Institutsdirektor vom Kuratorium ohne weiteres entlassen werden kann. „Wer sich aus Furcht vor dem Verlust seines Jobs überall beliebt machen muss, kann nichts mehr bewegen“, so seine Kritik. Barbara Unmüssig hält dagegen: Die Kuratoriumsmitglieder seien „heilfroh“, wenn sie sich mit dem Amtsantritt von Heiner Bielefeldt aus der Tagesarbeit zurückziehen könnten.

Also nur Zank und Zwietracht? Nein, in einem sind sich MacLean und die Kuratoriumsmitglieder einig: Heiner Bielefeldt sei eine „ausgezeichnete Besetzung“ für die Spitze des Instituts.