Braune Burschen

Hochschulpolitischer Sprecher der Schill-Partei ist Vorsitzender eines Vereins, der zuvor von ehemaligem Vorstandsmitglied der Republikaner geführt wurde. Enge Kontakte zur Burschenschaft „Germania“. Senat gibt kaum Auskunft

Seit Wochen versucht die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Luisa Fiedler, vom Senat Auskunft über die rechtsextreme Burschenschaft „Germania“ zu erhalten. Die Auskünfte der Schill-geführten Innenbehörde sind jedoch mit dem Hinweis auf Vertraulichkeit äußerst dürftig. Was der Senat zum Beispiel nicht mitteilt: „Germania“ unterhält enge Verbindungen zu dem Verein „Studentenwerk Harry Lange“, dessen Vorsitz mehrere Jahre lang von dem ehemaligen Republikaner Heiko Pätzmann geleitet wurde. Seit 2001 hat der Verein einen neuen Vorsitzenden: Pätzmanns Nachfolger ist der Schill-Bürgerschaftsabgeordnete Christian Brandes.

Die Mitgliederversammlung des Vereins hatte im Oktober 2001 Brandes im Haus der „Germania“ an der Sierichstraße ohne Gegenstimme zum neuen Vorsitzenden gewählt. Aus „beruflichen Gründen“ gab der frühere stellvertretende Hamburger Landeschef der Republikaner (REP), Pätzmann, den Vorsitz ab. Stattdessen übertrugen die Bundesbrüder dem Alten Herren der Germania das weniger zeitintensive Amt des Kassenwarts.

Im Jahr 1977 meldeten Bundesbrüder der rechtsextremen Germania den Verein als „Burschenschaftliches Studentenwerk zu Hamburg“ an. Die Burschenschaft, welche seit Jahrzehnten Beziehungen zum rechtsextremen Spektrum von der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) bis hin zum internationalen Netzwerk Synergies Européenne unterhält, konnte so steuerliche Vorteile bei der Unterhaltung ihres Burschenschaftshauses nutzen. 1990 beschlossen sie, die Zimmer auch an Studenten, die keiner „Studentenverbindung angehören“, zu vermieten – schließlich vermittelte auch die Studentenorganisation der NPD „national Gesinnte“ an die „Germania“. Den Vereinsnamen änderten die Bundesbrüder 1997, um die Erinnerung an den verstorbenen Alten Herrn der „Germania“, Harry Lange, „wachzuhalten“.

Noch bis Anfang 2000 war der damalige Vereinsvorsitzende Pätzmann nachweislich Kontaktperson für die rechtsextremistische Schülerburschenschaft „Teutonia Hamburgia“. Als Redakteur verantwortete er in den 1990er Jahren schon dessen Blatt „Freies Volk“, mit dem sie versuchen, rechtsextremistische Ideen „Hamburgs Gymnasiasten“ nahezubringen. Zu jener Zeit beobachtete der Hamburger Verfassungsschutz (VS) gemeinsame Wehrsportübungen von Mitgliedern der „Teutonia Hamburgia“, der „Germania“ und Neonazis.

Doch Pätzmann ist nicht der einzige Amtsinhaber mit brauner Vergangenheit, mit dem Brandes den Verein führt. Auf der Mitgliederversammlung 2001 bestätigten die Bundesbrüder Rolf Leppert als Kassenprüfer. Gemeinsam mit Pätzmann saß Leppert in den 1990er Jahren im REP-Landesvorstand. Offen auftretende rechtsextremistische Intellektuelle wie er sind in der Partei allerdings aus Sorge vor Verboten wenig willkommen. So verließen Pätzmann und Leppert, der in dem Deutschen Rechtsbüro des Nazianwalts Jürgen Rieger mitarbeitete, die REPs. Aus dem Kreis ihrer Burschenschaft entstand der rechtsextreme „Deutsche Freundeskreis“ (DFK), dessen Zeitung „Horizonte“ Leppert mitherausgab. Ins Germanenhaus lud der DFK auch den Auschwitzleugner David Irving ein.

Seit seiner Wahl dürfte der Vorsitzende Brandes sich vor allem um die Finanzen des Vereins bemühen. Die ausstehenden Mitgliedsbeiträge, sowie die Renovierungskosten des Hauses müssten den hochschulpolitischen Sprecher der Schill-Partei sorgen. Denn die Zahlungsmoral der Alten Herren an den Hintergrundverein der Burschenschaft lässt laut Versammlungsprotokoll zu Wünschen übrig.