Heimatkunde mit Goldkante

Fatal: Ausgerechnet im Marmorsaal zeigt das Oldenburgische Landesmuseum die Fotografien des Worpsweder Künstlers Lothar Klimek. Die sind allerdings schwarz-weiß

Urlaub im eigenen Lande kann so schön sein. Besonders intensiv waren die Versuche, den Deutschen die Reize ihrer Heimat nahe zu bringen, in den 60er und 70er-Jahren.

Lothar Klimek war damals als Stammfotograf des Deutschen Kunstverlags maßgeblich an der Vermittlung verlockender landeskundlicher Eindrücke beteiligt. Auch den Nordwesten führte er dem interessierten Publikum 1974 in geschmackvollem Schwarzweiß vor Augen – im Bildband Oldenburger Land aus der Reihe Deutsche Lande - Deutsche Kunst.

Die Originale dieser Abbildungen hat der Fotograf, der seit einem halben Jahrhundert in Worpswede ansässig ist, nun dem Landesmuseum Oldenburg vermacht. Grund genug, die Neuerrungenschaft sogleich stolz der Öffentlichkeit zu präsentieren. Da hängen sie also: Ansichten des nicht eben mit Schönheit geschlagenen Delmenhorster Rathauses neben romantischen Weserlandschaften, das heidnische Monument, die so genannte Visbeker Braut neben dem Taufstein der Pfarrkirche in Hohenkirchen.

Was für das Schaffen desherzöglichen Hofmalers einenstilvollen Rahmen bot, erdrückt die graustufigen ImpressionenKlimeks mit Prunk

Aufnahmen, die bei genauerem Hinsehen vom formalen Gespür Klimeks zeugen, der 1958 den Studiengang Fotografie an der Hochschule für Gestaltung in Bremen etablierte, wo er rund 30 Jahre lang lehrte. Mal nutzt er die Strukturen des Motivs wie im Falle des Blattes Reetschneiden an der Weser, um Effekte zu erzielen, die an mit Stift oder Nadel hingeworfene Schraffuren gemahnen. Nicht umsonst bezeichnet der gebürtige Königsberger einen Teil seiner Bilder – Werke, die in dieser Schau von Auftragsarbeiten nicht zu sehen sind – als „Foto-Grafiken“.

Dann wieder wählt Klimek für gegensätzliche Motive wie Weiden an einem Wasserlauf und eine Ölpipeline in Wilhelmshaven mit Bedacht den gleichen Bildausschnitt: mit tiefhängendem Horizont und weitem Himmel. Um solche Details zu bemerken, muss man sich allerdings schon ein wenig Zeit nehmen, die Exponate auf sich wirken lassen. Da ist ein überlebensgroßes und selbstverständlich mehrfarbiges Gemälde wie die Verschiffung der Helena, das den Marmorsaal des Landesmuseums ziert und sich immer wieder ins Blickfeld des Betrachters drängt, nicht eben hilfreich. Auch dessen Stuck und goldener Zierrat harmonisieren weit eher mit Ausstellungen wie Lady Hamilton und Tischbein als mit den unaufdringlich graustufigen fotografischen Impressionen aus dem Nordwesten.

Was für das Schaffen des ehemaligen Hofmalers des Herzogs von Oldenburg einen stilvollen Rahmen bot, erdrückt Klimeks Arbeiten mit Prunk. Fast wünscht man sich das nüchterne Ambiente eines Sparkassen-Foyers herbei. Unverständlich, dass die Ausstellungsmacher mit der Präsentation der Künstler-Schenkung nicht warten konnten, bis ein Plätzchen im Dachstock des Schlosses frei sein würde.

Dass Fotos dort wesentlich besser zur Geltung kommen, zeigte zuletzt die gelungene Weegee-Schau (die taz berichtete). So bleibt es der jeweiligen Fähigkeit des Besuchers überlassen, die Klosterruine in Hude oder die Fassade der Oldenburger Hofapotheke heranzuzoomen, um sich besser auf kompositorische Einzelheiten konzentrieren zu können.

Erst wenn dies gelingt, wenn sich Finessen wie der dreischichtige Bildaufbau in der Ansicht des Oldenburger Schlossplatzes oder des Wilhelmshavener Hafengeländes erschließen, wird diese Ausstellung zu mehr als einer Ansammlung leicht nostalgisch anmutender Lichtbilder, die die touristischen Qualitäten der Region anpreisen.