Deutsche sehen alt aus

Statistisches Bundesamt legt neue Vorausberechnung zur Bevölkerung vor. Im Jahr 2050 kommt auf zwei Personen im Erwerbsalter ein Rentner. Ursachen liegen in der niedrigen Geburtenrate

BERLIN | taz ■ | Im Jahr 2050 wird sich das Verhältnis von Erwerbstätigen und Rentnern deutlich verschieben. Der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Johann Hahlen, sprach gestern in Berlin von einer „dramatischen Änderung“ der Alterszusammensetzung. Damit müssten sich alle auseinander setzen, die sich mit der Reform der Sozialsysteme befassten.

Das Statistische Bundesamt hat die Entwicklung der Bevölkerung bis zum Jahre 2050 vorausberechnet. Dabei ermittelten die Forscher den so genannten Altenquotienten, das Verhältnis von Personen im Erwerbsalter, also zwischen 20 und 59 Jahren, einerseits und RentnerInnen andererseits. Derzeit stehen 100 Menschen im Erwerbsalter 44 RentnerInnen gegenüber, bei einem faktischen Renteneintrittsalter von 60 Jahren. Selbst wenn dieses Rentenalter künftig bei 65 Jahren liegt, kommen auf 100 Leute im Erwerbsalter noch 55 Ruheständler. Auf die Gesamtbevölkerung bezogen, wird im Jahre 2050 die Hälfte der Menschen hierzulande älter als 48 Jahre sein und ein Drittel älter als 60.

Die demografischen Verschiebungen haben ihre Ursache vor allem in der niedrigen Geburtenrate. Derzeit werden in Deutschland 560.000 Babys im Jahr geboren, das sind halb so viele wie die Zahl der Todesfälle.

Die Alterung der deutschen Gesellschaft wird aber nicht erst in 50 Jahren zu Problemen führen, sondern bereits in den nächsten Jahrzehnten die Sozialsysteme vor Schwierigkeiten stellen. Denn die kritische Beschleunigung der Alterung findet von 2010 bis 2030 statt. Danach steigt der „Altenquotient“ nicht mehr so drastisch.

An der vorausberechneten Entwicklung sei kaum noch etwas zu ändern, sagte Hahlen. Selbst wenn man annehme, dass ab dem Jahr 2011 jährlich etwa 300.000 Menschen zuwandern, könne man diese Entwicklung nur dämpfen. In ihren Berechnungen gingen die Statistiker von einer Zuwanderung von 200.000 jährlich aus. Im Jahre 2011 könnten das mehr werden, da dann in der Europäischen Union die Freizügigkeit der Arbeitskräfte erreicht ist.

Die Ergebnisse der gestern vorgestellten 10. Bevölkerungsvorausberechnung beruhen auf dem gegenwärtigen Altersaufbau, auf Annahmen zur Geburtenhäufigkeit, zur Lebenserwartung und zu den Außenwanderungen.