unterm strich

Es ist eins der Lieblingsthemen der amerikanischen Linken: Wie kann man der Dominanz der rechten Talkradio-Stationen entgegentreten? Ausführlich wurde in den vergangenen Jahren darüber diskutiert. Ist nicht seriöser Journalismus das beste Antidot gegen rechten Populismus? Braucht man überhaupt linke Talkradio-Sendungen? Wie halten wir es mit dem Populismus? Es passierte allerdings wenig, konkurrenzlos konnten Rechtsradikale wie Rush Limbaugh Tag für Tag ihre durchgedrehte Hetze gegen „Feminazis“ und die Familie Clinton über den Sender schicken. Sendungen, denen zu lauschen für europäische Ohren durchaus vergnüglich sein kann, wenn man ein Gefühl für vollkommen durchgedrehte Americana hat, ein Vergnügen, dessen Berechtigung amerikanischen Freunden gegenüber aber nur schwer zu erklären oder gar zu rechtfertigen ist. Seit Mittwoch gibt es jetzt aber ein linkes Pendant, das schreibt wenigstens Spiegel Online. „The O’Franken Factor“ heißt es und wird von dem liberalen Satiriker Al Franken gemacht (der Titel ist eine Variation auf „The O’Reilly Factor“, noch so einer durchgeknallten Sendung, hier von dem Fox-Rechtsaußen Bill O’Reilly). Sie läuft auf Air America, einem liberalen Radionetzwerk. Franken ist einer der bekannten amerikanischen Polit-Satiriker, bekannt wurde er durch seine Auftritte bei „Saturday Night Live“. Die Sendung läuft jeden Tag von 12 bis 15 Uhr, parallel zu Rush Limbaughs Show. Prominente Liberale wie Michael Moore und Chuck D (auch interessant, dass der Public-Enemy-Frontmann mittlerweile als prominenter Liberaler firmiert) haben ihre Unterstützung zugesagt. Ein Konsortium prominenter Demokraten soll 20 Millionen Dollar zusammengekratzt haben, um das Projekt anlaufen zu lassen.