Freiheit statt Kopftuch

DAS SCHLAGLOCH von VIOLA ROGGENKAMP

Die Massen, mit welchen es die totalitäre Propaganda zu tun hat, leiden an einem radikalen Schwund des gesunden Menschenverstandes und seiner Urteilskraft sowie an einem nicht minder radikalen Versagen der elementarsten Selbsterhaltungstriebe. Hannah Arendt, „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“

Über den Dächern von Berlin diskutierten Grüne Frauen mit Frauen aus aller Welt die Möglichkeit, bei den Vereinten Nationen als Frauen ein Mitspracherecht zu bekommen. Es waren auch Frauen aus islamischen Ländern eingeladen, unter ihnen eine Politikerin. Wann immer im Raum eine Kamera aufblitzte, bedeckte diese islamische Politikerin rasch ihr Haar. Verschwand die Kamera, zog sie ihr Tuch wieder von ihrem Kopf ab.

Statt Frauen vor dem Kopftuchzwang zu bewahren, unterwerfen sich deutsche Grüne dem politischen Islam

Wir alle waren Zeuginnen, und wir wussten, dass keine von uns im Zusammenhang mit dem Namen dieser Frau darüber draußen würde sprechen dürfen. Sie selbst fürchtete für sich um Leib und Leben. Ein Foto von ihr mit unbedecktem Kopf in einer Zeitung würde ausreichen, in ihrer Heimat oder aber bereits im demokratischen Deutschland die islamischen Religionswächter gegen sie loszulassen.

Und nun fordern Grüne Frauen und Feministinnen unter der Führung der Grünen Marieluise Beck, der Ausländerbeauftragten der Bundesregierung, die Freiheit für das islamische Kopftuch. Dazu versammelten sich diese deutschen Frauen demonstrativ vor dem Brandenburger Tor.

Alle muslimischen Frauen sollen in Deutschland das Kopftuch tragen können und tragen müssen. Denn das ist ja das Perfide an dieser so genannten Toleranz: Statt muslimische Mädchen und Frauen in den öffentlichen Räumen unseres demokratischen Staates vor dem Kopftuchzwang zu bewahren, unterwerfen sich deutsche Grüne und deutsche Feministinnen demonstrativ der totalen Herrschaft des politischen Islam.

In islamischen Staaten werden Frauen von Religionswächtern mit einem Stock öffentlich auf der Straße gezüchtigt, wenn man sie mit unbedecktem Kopf antrifft oder ihr Tuch etwas verrutscht ist. Man hackt ihnen Finger ab, wenn ihre rot lackierten Nägel aus dem Tschador hervorsehen. Zu hunderten werden allein in Berlin muslimische Mädchen entführt und zwangsverheiratet.

Muslimische Mädchen dürfen nicht am Sportunterricht teilnehmen, nicht am Sexualkundeunterricht, nicht an Klassenfahrten und Freizeitangeboten, muslimische Frauen dürfen keine deutschen Sprachkurse besuchen. Alles das verbietet und überwacht im deutschen Exil durch seine Gefolgsleute der islamische Fundamentalismus. Ist das Recht auf das Kopftuch in staatlichen Räumen erst durchgesetzt, sind auch Tschador oder Burka nicht mehr tabu. Darauf verweist in großer Besorgnis TIO, ein Berliner Verein muslimischer Migrantinnen. Sie gehören zu den Musliminnen, die wissen, warum sie oder schon ihre Eltern geflohen sind. Durch die Komplizenschaft der Grünen mit islamischem Terror sehen sie sich nun eingeholt von ihren Verfolgern.

Feministinnen, die gegen diese Politik der Grünen protestieren, werden beschimpft als „deutschnationale“ oder „braune Feministinnen“. Grüne Frauen, denen Zweifel kommen, behalten diese Zweifel lieber für sich. PDS-Frauen erklären die Kopftuchdebatte für eine weiße Mittelschichtsangelegenheit von Westfrauen. Die Attac-Bewegung ist sich viel zu gerecht, um darüber nachzudenken, was es für muslimische Frauen und Mädchen bedeuten muss, im Exil ausgerechnet den islamischen Unterdrückungsterror toleriert zu sehen.

Jutta Limbach, Präsidentin des Goethe-Instituts, glaubt allen Ernstes, ein Verbot des Kopftuchs in staatlichen Räumen „würde eher fundamentalistischen Strategien in die Hände spielen“. In einem Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen sagte sie: „Wir sollten darauf vertrauen, dass derjenige den Sieg davontragen wird, der die Freiheit nicht beschneidet.“

Warum sollten wir darauf vertrauen? Wir haben keinen einzigen Grund, islamischem Fundamentalismus zu vertrauen. Ganz im Gegenteil. „Wir alle müssen den geringsten Anfängen wehren“, auch das sagt Jutta Limbach, „denn wir haben schon einmal erfahren, wohin vermeintlich harmlose Anfänge führen können.“

Genau, ganz genau! Aber Frau Limbach meint es leider völlig anders. Das ist der Fluch der bösen deutschen Tat. Die Bundesrepublik macht sich zum Mittäter und Mitläufer der Politik eines faschistoiden Islam und erklärt die muslimischen Fanatiker und Fanatikerinnen zu ihren Lieblingsopfern.

Zum Schutz der Freiheit gehören Grenzen, die um der allgemeinen Freiheit willen von allen zu respektieren sind

Ob eine Muslimin das Kopftuch aus religiösen Gefühlen trägt oder aber als politische Demonstration, ob sie es trägt, weil sie im freiheitlichen Exil auf einmal patriotische Gefühle bekommt und darüber vergisst, dass ihr in manchen Ländern ohne Kopftuch öffentlich Prügelstrafe oder Schlimmeres drohte, oder aber weil ihr Mann, ihr Vater, ihre Brüder sie im Exil dazu zwingen, für die deutsche Kulturwissenschaftlerin und Feministin Christina von Braun geht es dabei bloß um eine Kleiderordnung. Im Südwestrundfunk beklagte sie eine „bemerkenswert historische Unreflektiertheit“ bei den Kopftuchgegnern. Das Kopftuch, das Frauen in islamischen Ländern tragen müssen, vergleicht Christina von Braun mit der roten Revolutionsmütze der Jakobiner. Historisch unreflektierter geht’s nicht.

Eine Demokratie muss Verbote aussprechen, wo Fanatiker Wege finden, freiheitliche Grundrechte, wie die Gleichberechtigung der Frau oder wie die allgemeine Religionsfreiheit, dafür zu missbrauchen, ihre totalitären Maßnahmen durchzusetzen. Wer darin eine Zwangslage sieht, versteht nicht, dass zum Schutz der Freiheit gerade Grenzen gehören, die um der allgemeinen Freiheit willen von allen zu respektieren sind. Frankreichs orthodoxer Oberrabbiner Joseph Sitruk nimmt seine Kippa ab, wenn er wählen geht, und zwar „als Zeichen des Respekts für die Republik“. Er rät jungen Juden, auf der Straße besser eine Schirmmütze als eine Kippa zu tragen, nachdem jetzt in einem Vorort von Paris eine Thora-Schule in Brand gesetzt worden ist.

Der Islamwissenschaftler Navid Kermani korrigiert in seinem Buch „Schöner neuer Orient“ das im christlichen Abendland verbreitete islamische Propagandabild vom moralisch reinen Staat. Im Iran steige die Zahl der Drogensüchtigen, der Aidskranken, der Prostituierten und der Suizidtoten. Enorm hoch sei die Zahl der jungen Mädchen, die aus ihrem Elternhaus zu fliehen versuchten. 70 Prozent der iranischen Bevölkerung wünsche sich ein normalisiertes Leben, dem Leben angepasst, was per Internet und Satellitenschüssel ins Land komme. 230.000 Iraner, darunter viele Akademiker, gehen jedes Jahr ins Exil. Jedoch auch die islamischen Fanatiker gehen ins Exil, zum Beispiel nach Deutschland, wo sie in der bundesrepublikanischen Demokratie an ihrem frauen- und menschenverachtenden Staat weiterbauen können, erfolgreicher vielleicht als heute in Teheran oder Kabul oder Bagdad. Und dazu ausdrücklich geschützt von den Grünen. Kann eine Frau diese Partei noch wählen?