Uni zum Bahnhof Altona?

Handelskammer will den Kleinen Grasbrook für den Hafen erhalten. Für die Uni solle man andere Flächen suchen. Eimsbüttels Bezirkschef Mantell nennt Campus-Verlagerung ein „Horrorszenario“

VON KAIJA KUTTER

Im Zuge der Debatte um eine mögliche Uni-Verlagerung gibt es ein Tauziehen um den Kleinen Grasbrook im Hamburger Hafen. CDU-Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach sagte bei der Vorstellung ihrer Pläne, dort gebe es „eine große, freie Fläche in Verfügbarkeit der Stadt“. Gemeint ist der nördliche Teil der Hafen-Insel, auf dem sich seit 1967 das so genannte „Überseezentrum“ befindet.

Handelkammer-Geschäftsführer Hans-Jörg Schmidt-Trenz widerspricht: „Der Kleine Grasbrook ist ein wichtiger Teil des Universalhafens, auf den wir großen Wert legen.“ Dazu gehöre auch das Überseezentrum und der Oswaldkai, auf dem im vergangenen Jahr 800 Schiffe abgefertigt worden seien.

Im Hafen würden nicht nur Container verladen, sondern auch Stückgut wie zum Beispiel Autos oder Sackware. „Dafür bedarf es eines Portes, der nicht containerisiert ist“, so der Kammer-Geschäftsführer. Und dieser Port sei nun mal der Kleine Grasbrook.

Ein Totalumzug der Universität Hamburg auf die Elbinsel Kleiner Grasbrook wäre die spektakulärste Lösung. Doch sie ist nur eine von vier Varianten, die eine Arbeitsgruppe bis zum Frühjahr untersuchen soll. Möglich wären auch 2. eine Sanierung der Gebäude vor Ort, 3. ein Teilabriss und Neubau von Geomatikum und Wiwi-Bunker und 4. eine Teilverlagerung etwa der Naturwissenschaften an einen anderen Standort.  KAJ

Wolle man die Universität verlagern, müsse man dafür andere Flächen suchen. Schmidt-Trenz: „Das kann direkt in der Hafen-City sein, dann muss man aber in die Höhe gehen.“ Denn an den geplanten Bevölkerungsziel von 12.000 Menschen dürften „keine Abstriche“ gemacht werden. Ansonsten müsste man einen anderen Ort für eine Campus-Lösung suchen. „In der ganzen Stadt gibt es Konversionsflächen der Bahn, beispielsweise am Bahnhof Altona.“

In der Stadtentwicklungsbehörde ist man irritiert, gilt doch als ausgemacht, dass der Kleine Grasbrook Teil des „Sprungs über die Elbe“ sein soll. „Der Senat hat bereits 2005 über die Absicht zur städtebaulichen Entwicklung des Kleinen Grasbrook entschieden“, sagt Sprecherin Helma Krstanoski. Mit den Plänen zur Verlagerung der Uni würde dies nur „konkretisiert“.

So sei beschlossen, dass das nördliche Areal, auf dem das Überseezentrum steht, ab 2010 zur Verfügung steht. Nur für den südlichen Teil rund um den Oswaldkai hätten die ansässigen Betriebe eine Bestandsgarantie bis 2025.

Ginge es nach Eimsbüttels Bezirksamtsleiter Jürgen Mantell (SPD), würde die Uni nicht verlagert, sondern in dem zu Eimsbüttel gehörenden Stadtteil Rotherbaum bleiben. „Ein Totalumzug ist aus Sicht des Bezirks ein Horrorszenario“, sagt Mantell. Im Stadtteil seien davon fast 40.000 Arbeitsplätze betroffen. Dank gezielter Bemühungen sei es gelungen, die Uni in den Stadtteil zu integrieren.

Man habe durch Verkehrsberuhigung aus dem Grindelhof einen „Uni-Boulevard“ gemacht, so der Bezirksamts-Leiter. Die Erreichbarkeit mit Bus und Bahn sei kaum zu optimieren. Mantell: „Die Uni am Standort Rotherbaum hat auch für die Stadt eine hohe Qualität.“ Da könne marode Bausubstanz kein Kriterium sein, sie zu verlagern. Zudem gebe es auch im heutigen Uni-Viertel noch freie Flächen für Neubauten, beispielsweise an der Bundesstraße.

Eine Expertenkommission soll bis zum Frühjahr vier Szenarien durchspielen, die von der Sanierung vor Ort bis zum Komplettumzug gehen. Uni-Präsidentin Monika Auweter-Kurtz hat bereits durchblicken lassen, dass sie mit einer Verlagerung liebäugelt.

Für Mantell sind solche Positionierungen „vorschnell“.