Zu flott weggejagt

Kritik an der Abberufung des Direktors des Essener Zentrums für Türkeistudien, Faruk Sen, verstärkt sich

KÖLN | taz ■ | Die Kritik am Vorstand des Essener Zentrums für Türkeistudien (ZfT) wird immer lauter. Jetzt wirft auch der Bund Türkisch-Europäischer Unternehmer dem ZfT-Vorsitzenden Fritz Schaumann vor, der FDP-Mann sei bei der von ihm betriebenen Abberufung Faruk Sens als Direktor des Instituts offensichtlich „durch parteipolitisches Kalkül geleitet“. Die FDP und der ZfT-Vorstand würden „auf Kosten der jüdischen und türkischen Minderheiten Politik im Land machen“. Der in Hannover ansässige Verband forderte den nordrhein-westfälischen Integrationsminister Armin Laschet (CDU) auf, „dieses Sommertheater zu beenden“.

Auch die FDP-nahe Liberale Türkisch-Deutsche Vereinigung geht auf Distanz. „Mein Eindruck ist, dass man Faruk Sen loswerden wolle, aus welchen Gründen auch immer“, sagte der LTD-Bundesvorsitzende Achim Doerfer. Es sei ein Unding, dass der ZfT-Vorstand ausgerechnet Sens „in der konkreten Formulierung missglückten“ Vergleich der heutigen Situation der Türken in Europa mit der der europäischen Juden in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts als Anlass für den Rausschmiss genommen habe. Fahrlässig sei so zunächst der unzutreffende Eindruck erweckt worden, die jüdische Gemeinschaft habe Sens Abberufung verlangt und zu verantworten. Damit habe der Vorstand versucht, in „unerträglicher Weise zwei Minderheiten gegeneinander auszuspielen“, sagte Doerfer, der selbst jüdischen Glaubens ist. „Es ist ein Schaden für das jüdisch-muslimische Verhältnis entstanden, der nur schwer wiedergutzumachen.“

Die nordrhein-westfälische Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Migrantenvertretungen (LAGA) plädiert für einen sachlicheren Umgang mit Sen. „Ich bedaure das Verhalten des Stiftungsvorstands ausdrücklich“, sagte der LAGA-Vorsitzende Tayfun Keltek der taz. „Faruk Sen hat eine faire Chance verdient.“ Das Vorgehen des Vorstandes schade dem Ruf des Zentrums. Keltek gehört dem Stiftungskuratorium an, das am 18. Juli über die Abberufung Sens entscheiden soll.