Wege aus der Unsicherheit

Flugblätter sind keine Literatur. Sie sind auch keine tiefer gehenden Sachbücher. Sie sind plakativ und bestenfalls informativ. In jedem Fall wollen sie das, was sie für richtig halten, verständlich an Mann und Frau bringen. Das ist der Nautilus-Flugschrift der Oxford Research Group gelungen. Wollte man die Kernthese dieser Schrift in zwei Sätzen zusammenfassen, müssten sie lauten: Es gibt einige Faktoren, die die weltweite Sicherheit bedrohen. Der internationale Terrorismus ist einer davon, aber gemessen an der Zahl seiner Opfer, ist er eine relativ unbedeutende Gefahr.

Das ist in Zeiten, da westliche Regierungen sich gerade in Terrorhysterie und Bürgerüberwachung üben, eine provokante, aber keine dumme These. Die drei Autoren der Oxford Research Group halten andere Faktoren, die unser modernes Leben bestimmen, für wesentlich gefährlicher als den internationalen Terrorismus: 1. die Folgen des Klimawandels. 2. den Kampf um die immer knapper werdenden Ressourcen, vor allem das Öl. 3. die wachsende Ungleichheit in Wirtschaft und Gesellschaft und eine damit einhergehende Marginalisierung der Mehrheit der Menschen – in den ärmeren Ländern. 4. die weltweite militärische Aufrüstung, konsequente Weiterentwicklung von Massenvernichtungswaffen und herrschende Kriege.

Diesen Unsicherheitsfaktoren für die Zukunft des Planeten und der Menschheit widmen sie jeweils ein eigenes Kapitel, wobei die Folgen des Klimawandels als größte Gefahr beschrieben werden. Eine der dringendsten Zukunftsaufgaben sei daher die rigorose Energieeinsparung mit gleichzeitigem Übergang von fossilen zu erneuerbaren Brennstoffen. Dies ist nicht nur wegen des Klimawandels, sondern auch ob der zunehmenden Konflikte in der Golfregion notwendig. Die Veränderungen der Natur werden besonders hart die tropischen Regionen treffen, was Hungersnöte, soziale Unruhen und Migration nach sich zieht. Die reichen Länder des Nordens werden versuchen, ihren Status quo aufrechtzuerhalten, die Armen des Südens werden sich wehren.

Der sogenannte Krieg gegen den Terror hat dazu beigetragen, die Fronten eher zu verhärten, als eine Übereinkunft darüber zu erzielen, wie man die Welt zu einem guten und sicheren Ort für alle machen kann. Die Autoren streben daher im Hinblick auf einen zukunftsfähigen Ansatz für nationale und internationale Sicherheit eine Veränderung der Prioritäten an. Sie verwerfen militärische Lösungen und wollen stattdessen Sicherheit schaffen, indem sie auf die faire Verteilung der Ressourcen und auf Konfliktverhinderung setzen.

Interessant ist, dass der „Clash of Civilizations“ in seinen kulturellen, ideologischen oder religiösen Auswirkungen überhaupt nicht bei ihnen auftaucht. Offenbar gilt er ihnen als eine herbeigeredete Gefahr. Hier geht es ums nackte Überleben und nicht um Philosophie.

Neben und nach der Beschreibung der ihrer Meinung nach wirklich gefährlichen Bedrohungen für die Menschheit präsentieren die Autoren jede Menge Listen. Sie zeigen, wie und wo man sich organisieren kann, um eine Entwicklung zu verhindern, die garantiert in eine verheerende Katastrophe führt. Die Autoren halten dies noch für möglich. Das macht ihr Buch so sympathisch. Es ist zudem ausgesprochen verständlich geschrieben, und wem die Thesen zu plakativ oder nicht komplex genug sind, der kann sich ja auf tiefer gehende Lektüre stürzen. Als Flugschrift ist dieser Text äußerst gelungen und sei hiermit unbedingt als Diskussionsgrundlage für Schulen empfohlen.

RENÉE ZUCKER

Oxford Research Group: „Jenseits des Terrors. Was unsere Welt wirklich bedroht“. Aus dem Englischen von Ulrike Vestring. Nautilus Verlag, Hamburg 2008, 121 Seiten, 10 Euro